Bei Volkswagen reicht laut einem Bericht des „Spiegel“ inzwischen eine deutlich niedrigere Rendite aus, damit das Management eine Bonuskomponente in voller Höhe erhält. Unter Berufung auf interne Konzerndokumente berichtet das Magazin, dass dafür in diesem Jahr eine operative Umsatzrendite von 3,8 Prozent genügt; im Vorjahr waren noch 5,8 Prozent nötig. Genau 3,8 Prozent erreichte VW im Sommerquartal. Finanzchef Arno Antlitz hatte diesen Wert als zu niedrig bezeichnet und damit kommende Sparmaßnahmen begründet. Die neue Berechnung wird bekannt, während Volkswagen um weitere Einsparungen und Stellenstreichungen ringt.
- Für die renditeabhängige Bonuskomponente reichen laut „Spiegel“ nun 3,8 statt zuvor 5,8 Prozent für die volle Zielerreichung.
- Bei 5,8 Prozent Rendite liegt die Auszahlung dieser Komponente dem Bericht zufolge inzwischen beim Maximum von 175 Prozent.
- Bei der Volkswagen AG sollen bis 2030 zusätzlich zu bereits vereinbarten 35.000 Stellen rund 12.000 weitere Arbeitsplätze entfallen.
Die niedrigere Hürde betrifft einen Teil der Vergütung
Der Unterschied zeigt sich besonders beim Vergleich derselben Rendite: Im Vorjahr hätten 3,8 Prozent laut dem Bericht lediglich für die Hälfte der betreffenden Bonuskomponente gereicht. In diesem Jahr genügt der Wert für deren volle Auszahlung. Die frühere Schwelle von 5,8 Prozent führt nun zum Höchstwert von 175 Prozent.
Damit wird dieselbe operative Rendite bei dieser Bonuskomponente deutlich höher vergütet als im Vorjahr.
Das bedeutet allerdings nicht, dass damit auch der gesamte Manager-Bonus feststeht. In dessen Berechnung fließen weitere Kennzahlen ein. Ebenso ist die beschriebene Berechnungsregel kein Beleg dafür, dass entsprechende Zahlungen bereits erfolgt sind.
Die operative Umsatzrendite setzt das Ergebnis aus dem laufenden Geschäft ins Verhältnis zum Umsatz. Sie zeigt damit, welcher Anteil der Erlöse als operatives Ergebnis verbleibt. Bei einem daran gekoppelten Vergütungsbestandteil entscheidet also nicht allein das Geschäftsergebnis über die Höhe, sondern auch die zuvor gesetzte Zielschwelle.
Die Bonusregeln stehen neben weiteren Sparplänen
Für Volkswagen fällt der Bericht in eine Auseinandersetzung über schärfere Sparmaßnahmen. Der Autobauer will Milliarden einsparen und in großem Umfang Stellen abbauen. Bei der Volkswagen AG sind bis Ende des Jahrzehnts bereits 35.000 wegfallende Arbeitsplätze vereinbart; bis 2030 sollen nochmals rund 12.000 hinzukommen. Die IG Metall mobilisiert gegen die Pläne.
Der Konflikt liegt damit auch im Maßstab: Eine Rendite, die der Finanzchef als unzureichend bezeichnet, reicht laut Bericht zugleich für die volle Zielerreichung bei einem Teil der Managementvergütung.
Für die Beschäftigten dürfte deshalb bei der Bewertung der Sparforderungen nicht nur die Geschäftslage zählen, sondern auch, wie die Führung daran gemessen wird. Das ist eine Frage der Nachvollziehbarkeit der Vergütungsregeln – unabhängig davon, wie hoch der gesamte Bonus letztlich ausfällt.
Eine Erklärung des Aufsichtsrats bleibt aus
Die Erfolgsschwellen werden vom VW-Aufsichtsrat jährlich neu festgelegt. Ein Sprecher des Gremiums wollte sich dem Bericht zufolge auf Anfrage nicht dazu äußern. Eine Begründung für die abgesenkte Renditehürde liegt damit in den vorliegenden Berichten nicht vor.





























