Bei massiven ukrainischen Drohnenangriffen auf Logistikzentren und Öllager in Russland sind mindestens neun Menschen getötet und mehr als 60 verletzt worden. Die Angriffe trafen unter anderem zwei riesige Lagerhäuser des russischen Online-Händlers Wildberries in den Regionen Tambow und Moskau. Kiew begründete die Schläge damit, dass über diese Knotenpunkte sanktionierte Bauteile für das russische Militär beschafft und verarbeitet wurden.
- Bei den nächtlichen Drohnenangriffen wurden mindestens neun Menschen getötet und über 60 verletzt.
- Zwei riesige Logistikzentren des Online-Riesen Wildberries in Kotowsk und Elektrostal gerieten in Brand.
- Laut Kiew dienten die getroffenen Anlagen der Beschaffung sanktionierter Elektronikkomponenten für das russische Militär.
- Die russische Luftabwehr fing nach eigenen Angaben 379 ukrainische Drohnen über 19 Regionen ab.
Sanktionierte Bauteile im Visier der Ukraine
Die jüngsten Angriffe verdeutlichen eine strategische Verschiebung in der ukrainischen Kriegsführung, die auch für europäische Entscheidungsträger relevant ist. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, die Angriffe auf die Logistikzentren in den Regionen Tambow und Moskau seien eine direkte Reaktion auf die russischen Angriffe auf zivile Ziele in der Ukraine. Die betroffenen Einrichtungen seien vom Aggressor genutzt worden, um sanktionierte Komponenten für die Produktion von Drohnen und Navigationsgeräten bereitzustellen.
Russland nutzt offenbar zivile Logistiknetzwerke wie das des Online-Händlers Wildberries – oft als russisches Äquivalent zu Amazon bezeichnet –, um die Sanktionen der EU und ihrer Partner zu umgehen. Dass zivile Warenlager nun zu militärischen Zielen werden, unterstreicht die Verwundbarkeit dieser Lieferketten.
Schwere Schäden und Opfer in mehreren russischen Regionen
Die Auswirkungen der nächtlichen Angriffe waren verheerend. In Kotowsk in der Region Tambow, rund 360 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt, starben sieben Arbeiter einer Nachtschicht direkt am Unfallort, als eine Drohne ein Wildberries-Lagerhaus traf. 25 weitere Personen wurden verletzt. Ein zweites Großlager des Logistikers im rund 50 Kilometer östlichen Elektrostal nahe Moskau geriet ebenfalls in Brand; hier gab es 37 Verletzte, von denen einer später im Krankenhaus verstarb.
Russische Online-Medien veröffentlichten Videos von riesigen Rauchwolken über der Anlage in Elektrostal.
In der Nähe von Elektrostal, im Ort Noginsk, löste herabstürzendes Drohnengerat einen Brand in einem Öldepot aus. Zwei Menschen wurden dabei verletzt. Als Vorsichtsmaßnahme mussten ein nahegelegenes Entbindungshaus und ein Wohngebäude evakuiert werden. Auch in Wladimir, etwa 180 Kilometer östlich von Moskau, geriet ein Wohnhaus nach einem Drohnentreffer kurzzeitig in Brand, hier gab es jedoch keine Verletzten. Ein weiteres Todesopfer und ein Verletzter wurden am Samstagnachmittag aus der Grenzregion Belgorod gemeldet.
Ausweitung der Angriffe auf maritime Ziele
Neben den Angriffen im Landesinneren meldete das ukrainische Militär auch erfolgreiche Operationen im Schwarzen und im Asowschen Meer sowie in den besetzten Gebieten. Dabei seien russische Öltanker, schwimmende Kräne, ein Schlepper sowie ein Patrouillenschiff der Svetlyak-Klasse in Kertsch getroffen worden. Auch eine strategisch wichtige Eisenbahnbrücke in der besetzten Region Luhansk, die für die russische Militärlogistik genutzt wird, wurde attackiert.
Die Angriffe zwangen Moskau laut ukrainischen Angaben dazu, Truppen von der Frontlinie auf maritime Positionen zu verlegen, um Schiffe zu schützen. Der Chef der ukrainischen Drohnenstreitkräfte erklärte, dass die jüngsten Angriffe die Zahl der getroffenen russischen Schiffe in der Region in den letzten Wochen auf 172 erhöht hätten. Für die Ukraine ist diese Taktik ein Weg, die russische Übermacht zu schwächen, ohne direkte, verlustreiche Bodenoffensiven führen zu müssen.























