Durch eine gezielte Welle ukrainischer Drohnenangriffe hat der führende russische Online-Händler Wildberries bis zu 20 Prozent seiner gesamten Lagerkapazitäten verloren. Der anhaltende Ausfall logistischer Knotenpunkte zwingt das Unternehmen dazu, seine Warenströme großflächig umzuleiten, während unabhängige Händler auf Milliardenschäden sitzen bleiben. Die jüngste Attacke auf ein Verteilzentrum im Gebiet Wladimir – rund 190 Kilometer östlich von Moskau – zeigt das Ausmaß der Angriffe. Kiew begründet die Angriffsserie damit, dass über die Plattform auch kriegsrelevante Ausrüstung für die russischen Streitkräfte transportiert wird.
- Russlands größter Versandhändler Wildberries verliert durch Drohnentreffer schätzungsweise 15 bis 20 Prozent seiner Lagerfläche.
- Ein aktueller Angriff im Gebiet Wladimir löste ein Großfeuer aus; zwei Menschen wurden verletzt.
- Der Gesamtschaden für Infrastruktur und gelagerte Waren wird auf bis zu 3,3 Milliarden Euro geschätzt.
- Kiew wirft dem Konzern die Lieferung von Armeebedarf vor, während russische Behörden von Terroranschlägen gegen zivile Infrastruktur sprechen.
Die Angriffe treffen Russlands wichtigsten Online-Marktplatz empfindlich
Wildberries beherrscht zusammen mit dem Konkurrenten Ozon fast 80 Prozent des russischen E-Commerce-Marktes. Nach Expertenschätzungen wurden bei den Angriffen der vergangenen Wochen rund 860.000 Quadratmeter Lagerfläche zerstört. Von den 15 größten Logistikzentren des Unternehmens wurden mindestens zwölf getroffen, von denen sieben den Betrieb vorerst nicht wieder aufnehmen konnten. Darunter befindet sich auch das Hauptzentrum in Elektrostal bei Moskau, das als wichtiger Umschlagplatz für Importe aus China diente.
Der finanzielle Gesamtschaden an der Logistikinfrastruktur und den dort gelagerten Waren von Drittanbietern wird von Fachleuten auf bis zu 300 Milliarden Rubel – umgerechnet rund 3,3 Milliarden Euro – geschätzt.
Die Wiederaufbaukosten für Wildberries selbst belaufen sich voraussichtlich auf mindestens 60 Milliarden Rubel (etwa 650 Millionen Euro), was rund einem Drittel des Jahresgewinns entspricht. Besonders hart trifft es jedoch kleine und mittlere Unternehmen, die ihre Waren in den abgebrannten Hallen gelagert hatten. Vertragsgemäß übernimmt Wildberries für diesen Ausfall keine Haftung gegenüber seinen Geschäftspartnern.
Eine systematische Drohnenkampagne erschüttert die Logistik
Die Eskalation gegen die Infrastruktur des Versandhändlers begann Mitte Juli. Nach ersten Treffern in den Regionen Moskau und Tambow weiteten sich die Schläge rasch aus. In den folgenden Wochen gerieten Standorte nahe Sankt Petersburg, in Krasnodar, Wolgograd, Samara sowie in Simferopol auf der annektierten Halbinsel Krim ins Visier ukrainischer Drohnen.
Beim Angriff im Gebiet Wladimir geriet erneut ein großes Verteilzentrum in Brand. Nach Angaben des örtlichen Gouverneurs Alexander Awdejew wurden dabei zwei Personen verletzt. Das Unternehmen evakuierte das Gebäude und leitete die Logistikprozesse auf andere Standorte um, um den Lieferbetrieb aufrechtzuerhalten.
Kiew nimmt gezielt kriegsrelevante Netzwerke ins Visier
Die ukrainische Führung ordnet die Schläge in eine breitere militärische Logik ein. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, die getroffenen Zentren dienten der Versorgung der russischen Armee mit Drohnenkomponenten, Navigationsgeräten und Ausrüstung. Obwohl der Kreml dies bestreitet, lassen sich entsprechende Güter über die Handelsplattform beschaffen.
Ukrainischen Angaben zufolge zielen die Angriffe auf den Konzern mit einem Jahresumsatz von rund 6,2 Billionen Rubel auch darauf ab, dessen Großgläubiger – darunter Banken wie die Sberbank, die VTB und die Alfa-Bank – wirtschaftlich unter Druck zu setzen.
Neben den Lagereinrichtungen gerieten zuletzt auch andere strategische Punkte ins Visier ukrainischer Drohnen. In Belgorod fing das Gebäude der Technischen Universität Feuer, die als regionales Entwicklungszentrum für unbemannte Flugkörper gilt. Gleichzeitig setzen russische Truppen ihre Angriffe auf ukrainisches Gebiet fort: Bei einem Schlag nahe Charkiw verbrannten in einem Lagerhaus des Ranok-Verlags nach Unternehmensangaben mehr als acht Millionen Bücher.




























