Alex Karp bringt die Stimmung in seinem Unternehmen auf den Punkt: Das Geschäft des KI- und Datenanalyse-Spezialisten Palantir entwickle sich derzeit so dynamisch wie nie zuvor in der Firmengeschichte. Getrieben von einer massiven Nachfrage nach Anwendungen für Künstliche Intelligenz steigerte das US-Unternehmen seinen Quartalsumsatz im Jahresvergleich um 93 Prozent auf knapp 1,94 Milliarden US-Dollar (rund 1,69 Milliarden Euro). Damit übertraf Palantir die Prognosen der Analysten, die im Schnitt von etwa 1,8 Milliarden US-Dollar ausgegangen waren, deutlich. An der Börse lösten die Resultate Begeisterung aus: Die Aktie kletterte im nachbörslichen Handel zeitweise um bis zu 13 Prozent.
- Palantir steigerte den Quartalsumsatz um 93 Prozent auf knapp 1,94 Milliarden US-Dollar.
- Unternehmenschef Alex Karp spricht von einer Wachstumsgeschwindigkeit in noch nie dagewesenem Ausmaß.
- Während die Nachfrage in den USA boomt, wächst in Europa die Skepsis gegenüber der US-Technologie.
Konzernchef Alex Karp schwärmt von beispielloser Dynamik
Im Zentrum des Erfolgsberichts stehen die selbstbewussten Aussagen der Unternehmensführung. „Unser Geschäft wächst mit einer Geschwindigkeit und in einem Ausmaß, wie wir es noch nie zuvor erlebt haben“, betonte Palantir-Chef Alex Karp in seinem aktuellen Brief an die Aktionäre. Er hob hervor, dass der Nettogewinn im vergangenen Quartal mit rund 1,1 Milliarden US-Dollar (41 Cent pro Aktie) höher ausfiel als der gesamte Jahresumsatz des Unternehmens im Vorjahr. Analysten hatten zuvor lediglich mit einem Gewinn von 35 Cent pro Aktie gerechnet.
Angesichts der anhaltenden Dynamik hob das Management die Umsatzprognose für das Gesamtjahr deutlich auf 8,15 bis 8,16 Milliarden US-Dollar an.
Auch für das laufende dritte Quartal zeigt sich das US-Unternehmen optimistisch und rechnet mit Erlösen zwischen 2,160 und 2,164 Milliarden US-Dollar. Der operative Gewinn vor Sonderfaktoren soll dabei bei knapp 1,3 Milliarden US-Dollar liegen. Dies spiegelt das Vertrauen wider, dass der Boom rund um KI-gestützte Datenanalysen in den kommenden Monaten unvermindert anhält.
Der US-Heimatmarkt erweist sich als zentraler Wachstumstreiber
Die vorgelegten Zahlen verdeutlichen, dass der Boom vor allem vom US-amerikanischen Markt getragen wird. Dort beliefen sich die Gesamterlöse im abgelaufenen Vierteljahr auf 1,57 Milliarden US-Dollar. Besonders kräftig legte das kommerzielle Geschäft mit US-Unternehmen zu, das um 149 Prozent auf 764 Millionen US-Dollar anstieg. Das Segment mit US-Regierungsbehörden – darunter das Pentagon und das Heimatschutzministerium – wuchs ebenfalls spürbar um 90 Prozent auf 809 Millionen US-Dollar.
Palantir wurde 2003 im Silicon Valley unter anderem von Tech-Investor Peter Thiel mitgegründet. Das Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, riesige Datenmengen für zivile und militärische Zwecke zu strukturieren und mithilfe Künstlicher Intelligenz auszuwerten. In bewaffneten Konflikten kommen die Systeme zum Einsatz, um unter anderem durch den Abgleich von Telefongesprächen und biometrischen Daten Lagebilder in Echtzeit zu erstellen.
In Europa wachsen die Vorbehalte gegen US-Plattformen
So überschwänglich die Reaktionen der Führungsetage auf den US-Markt ausfallen, so unterschiedlich stellt sich die Lage auf dem europäischen Kontinent dar. In Europa stößt der US-Konzern auf zunehmende Bedenken seitens der Politik und Behörden, da viele Regierungen eine zu starke Abhängigkeit von US-amerikanischen Plattformen und deren Softwarearchitektur befürchten.
Diese Skepsis schlägt sich zunehmend in konkreten Konflikten nieder. In Großbritannien geht Palantir derzeit juristisch gegen die Blockade eines auf zwei Jahre ausgelegten Vertrags mit der Londoner Polizei im Wert von 67,15 Millionen US-Dollar vor. Frankreich wiederum hat die Zusammenarbeit mit dem Datenanalysten im Juni beendet. Die Entwicklung zeigt, wie tief der Graben zwischen dem rasanten Wachstum in Übersee und den regulatorischen sowie strategischen Bedenken in Europa derzeit ist.
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