Argentinien erwartet erstmals seit 1987 wieder einen Papst: Leo XIV. soll am heutigen Sonntag, dem 8. November, aus Uruguay in Buenos Aires eintreffen und bis Mittwoch, dem 11. November, im Land bleiben. Zum Auftakt stehen ein Treffen mit Präsident Javier Milei und eine Rede vor Vertretern aus Politik, Zivilgesellschaft und Diplomatie auf dem Programm. Für Gottesdienste und Begegnungen werden Hunderttausende Menschen erwartet. Der Besuch führt den Papst auch nach Córdoba und Luján. Neben den staatlichen Empfängen sind Termine mit Menschen mit Behinderungen, Vertretern der Arbeitswelt und Religionsgemeinschaften vorgesehen.
- Leo XIV. wird heute Abend von Präsident Javier Milei in der Casa Rosada empfangen.
- Geplant sind drei öffentliche Messen in Buenos Aires, Córdoba und Luján.
- Mehr als 25.000 Freiwillige haben ihre Unterstützung bei der Organisation angeboten.
- Zum Abschluss der Uruguay-Etappe feiert der Papst eine Messe in Florida.
Soziale Fragen begleiten das Treffen mit Milei
Die Ankunft am Flughafen Aeroparque Jorge Newbery ist für 16.30 Uhr Ortszeit vorgesehen. Nach einem Besuch am Denkmal für General San Martín folgen die Begrüßung in der Casa Rosada und um 17.50 Uhr das Gespräch mit Milei. Beide hatten sich bereits am 7. Juni 2025 in Rom getroffen. Seine erste Rede in Argentinien soll Leo XIV. anschließend im Kulturzentrum Palacio Libertad halten.
Das Verhältnis zwischen Mileis Regierung und der katholischen Kirche ist von Spannungen geprägt. Der Präsident hat soziale Gerechtigkeit wiederholt als Diebstahl und als Verirrung bezeichnet. Katholische Bischöfe gehören dagegen zu den wichtigen Kritikern des Abbaus staatlicher Leistungen unter seiner Regierung.
Juan Maquieyra, Direktor der Organisation Techo Argentina, die sich für das Recht auf Wohnraum in benachteiligten Vierteln einsetzt, sieht einen Gegensatz zwischen Mileis Positionen und der Botschaft des Papstes. Gegenüber ilfattoquotidiano.it verwies er auf Leos Eintreten für soziale Gerechtigkeit und die Ausrichtung auf ausgegrenzte Menschen. Darin stehe Leo in der Tradition von Papst Franziskus.
Milei hat seinerseits mehrfach betont, der Besuch dürfe nicht politisiert werden; der Papst gehöre allen Argentiniern. Er könne über das sprechen, worüber er sprechen wolle. Die Verhandlungen zur Organisation des Besuchs leitete Mileis Schwester Karina, Generalsekretärin der Präsidentschaft.
Der Besuch führt zu Hilfseinrichtungen und öffentlichen Messen
Am Montag besucht Leo XIV. das Pequeño Cottolengo Don Orione in Claypole in der Provinz Buenos Aires. Die Einrichtung bietet Menschen mit Behinderungen Betreuung, Unterkunft und pädagogische Unterstützung. Danach ist eine Messe am Monumento de los Españoles in Buenos Aires geplant. Am Nachmittag folgen Begegnungen mit Vertretern der Arbeitswelt an der Katholischen Universität Argentiniens sowie mit christlichen und anderen Religionsgemeinschaften im Palacio San Martín.
In der Kathedrale von Buenos Aires soll Leo XIV. auch seines Vorgängers Franziskus gedenken, der als Papst nie in sein Heimatland zurückkehrte.
Franziskus hatte das Erzbistum Buenos Aires von 1998 bis zu seiner Papstwahl 2013 geleitet. Der letzte Papstbesuch in Argentinien war jener von Johannes Paul II. im Jahr 1987.
Für die Feiern während des Besuchs wurde die Herstellung von einer Million Hostien in Auftrag gegeben. Der Montag ist landesweit Feiertag. Am Dienstag reist Leo XIV. nach Córdoba, wo eine Messe auf dem Gelände der Militärflugschule und ein Treffen mit kirchlichen Mitarbeitern in der Kathedrale vorgesehen sind.
In Uruguay warnte Leo vor Gleichgültigkeit gegenüber Armut
Die Südamerika-Reise hatte am 6. November in Uruguay begonnen. Im Viertel Casavalle am Stadtrand von Montevideo hörte Leo XIV. die Schilderung einer Frau, die als Kind Gewalt und Missbrauch erlebt hatte und mit 15 Jahren auf der Straße gelandet war.
„Wir dürfen nicht wegsehen“, mahnte der Papst angesichts von Armut und Gewalt.
An der anschließenden Gebetswache in Montevideo nahmen nach Angaben der Nachrichtenagentur ANSA 100.000 Menschen teil, davon 70.000 im Centenario-Stadion und 30.000 in dessen Umgebung. Leo ermutigte die Kirche, auch als Minderheit nicht den Mut zu verlieren. Vor dem Weiterflug nach Argentinien steht heute eine Messe im Marienheiligtum von Florida auf dem Programm.





























