Das US-amerikanische Technologieunternehmen OpenAI, das durch die Entwicklung des KI-Chatbots ChatGPT weltweit bekannt wurde, weitet die Einsatzmöglichkeiten seiner Software auf den Medizinsektor aus. Ab sofort schaltet der Konzern die Funktion „ChatGPT Health“ für alle volljährigen Nutzerinnen und Nutzer in den USA frei. Über die Anwendung lassen sich persönliche Gesundheitsdaten wie Laborwerte, Arztbriefe und Fitnesswerte direkt in die normalen Chat-Gespräche integrieren. Ziel ist es laut dem Unternehmen, medizinische Unterlagen verständlich zusammenzufassen und Patientinnen und Patienten bei der Vorbereitung von Arztterminen zu unterstützen.
- OpenAI rollt „ChatGPT Health“ für erwachsene Nutzer in den USA auf allen Kontostufen aus.
- Das System verknüpft Krankenakten und Gesundheits-Apps direkt mit dem KI-Chatbot.
- Eine Klage wegen angeblich gefährlicher medizinischer Ratschläge überschattet den Start.
Neue Funktion zieht Daten aus externen Gesundheitsdiensten
Die Anwendung steht US-Nutzern über die Web-Version sowie auf iOS-Geräten zur Verfügung und wird für alle Kontoklassen von der kostenlosen Variante bis hin zu Pro-Abonnements freigeschaltet. Anwender können ChatGPT mit Anbietern wie Kaiser Permanente oder One Medical sowie mit Fitness- und Gesundheitsdiensten wie Apple Health, Weight Watchers, MyFitnessPal und Function verbinden. Auf Basis des KI-Modells GPT-5.6 Sol kann das System auf Vorerkrankungen, aktuelle Medikamente und die familiäre Krankengeschichte zugreifen, sofern die Freigabe erteilt wird.
OpenAI betont, dass die Anfragen vor der Nutzung medizinischer Daten jeweils eine ausdrückliche Bestätigung erfordern. Zudem seien die Daten während der Übertragung und Speicherung verschlüsselt. Nach Unternehmensangaben werden die verknüpften Gesundheitsdaten nicht zum Training der grundlegenden KI-Modelle oder für Werbezwecke verwendet. Das Angebot solle die professionelle medizinische Versorgung unterstützen, aber keinesfalls ersetzen.
Hohe Versprechen treffen auf rechtliche Kontroversen
Zum Start der Funktion äußerte sich die Führungsebene von OpenAI mit ambitionierten Aussagen. Ashley Alexander, Vizepräsidentin für Gesundheitsprodukte, erklärte während eines Briefings, die Modelle seien nun in der Lage, auf einem Niveau zu schlussfolgern, das besser als das von Klinikärzten sei. Karan Singhal, medizinischer Leiter bei OpenAI, schränkte diese Behauptung jedoch ein und verwies auf einzelne wissenschaftliche Studien von Institutionen wie Harvard und Stanford, die in diese Richtung deuteten.
Die Veröffentlichung des Dienstes wird von einer aktuellen Klage eines Pastors aus Florida begleitet, der der KI vorwirft, ihm gefährliche Ratschläge erteilt zu haben.
Der Kläger gibt an, ChatGPT habe ihn zu falschen medizinischen Empfehlungen verleitet, weshalb er die Behandlung einer Lungenembolie verzögert habe. Zusätzlich befindet sich OpenAI in einem Rechtsstreit mit Apple – ausgerechnet jenem Konzern, dessen HealthKit-Schnittstelle eine zentrale Säule für die Datenanbindung von „ChatGPT Health“ bildet.
Strenge Hürden für eine Einführung in Europa
Für hiesige Verbraucherinnen und Verbraucher verdeutlicht die Entwicklung dennoch, wie stark KI-Systeme in den Alltag vordringen.
Dies bedeutet für Patienten zwar potenziell mehr Übersicht über eigene Befunde, birgt jedoch erhebliche Risiken. Da Sprachmodelle weiterhin Fehler machen können, bleibt die eigenständige Interpretation von Laborwerten durch KI ein sensibles Feld.
Würden Sie einem KI-Chatbot Zugriff auf Ihre persönlichen Krankenakten gewähren, um Laborwerte besser zu verstehen? Teilen Sie Ihre Meinung in den Kommentaren!























