Wolodymyr Selenskyj, der das Amt des ukrainischen Präsidenten bekleidet und die Verteidigung des Landes gegen die russische Invasion leitet, hat über das Ausmaß einer massiven nächtlichen Angriffswelle berichtet. In der Nacht zum Donnerstag überzog das russische Militär fast die gesamte Ukraine flächendeckend mit Luftschlägen. Nach Angaben ukrainischer Stellen kamen dabei mindestens acht Menschen ums Leben, darunter zwei Kinder. Dutzende Wohnhäuser sowie zivile Infrastrukturen wurden beschädigt oder zerstört. Die Attacken trafen neben der Hauptstadt Kyjiw auch Regionen im Westen des Landes nahe der polnischen Grenze.
- Russland setzte laut ukrainischen Angaben über 70 Raketen sowie mehr als 280 Drohnen ein.
- In der Nähe von Krywyj Rih starben sechs Mitglieder einer Familie durch einen Raketeneinschlag.
- Polen ließ wegen der Angriffe nahe der eigenen Grenze Kampfflugzeuge aufsteigen.
- Präsident Selenskyj forderte erneut die Lieferung moderner Patriot-Flugabwehrsysteme vom Westen.
Tödliche Einschläge in Wohngebäuden und hohe Drohnenzahl
In einem Vorort der südlichen Stadt Krywyj Rih traf eine Rakete das Wohnhaus einer Großfamilie. Sechs Menschen kamen dort ums Leben, darunter zwei Kinder im Alter von fünf und zwölf Jahren, während acht weitere Personen Verletzungen erlitten. Weitere Todesopfer und Verletzte wurden aus Kyjiw sowie dem Gebiet Poltawa gemeldet. In Lwiw gerieten zwei große Wohnblöcke nach Raketentreffern in Brand.
Nach ukrainischen Angaben flogen die russischen Streitkräfte den Angriff mit mehr als 70 Raketen und Marschflugkörpern sowie über 280 Drohnen. Der ukrainische Präsident erklärte, dass mehr als 260 Drohnen sowie eine beträchtliche Anzahl von Marschflugkörpern von der Flugabwehr und durch Kampfflugzeuge abgefangen werden konnten. Dennoch kam es in mehreren Städten zu schweren Zerstörungen.
In Krywyj Rih löschte ein einziger Raketeneinschlag im Haus einer Großfamilie sechs Menschenleben aus.
Fehlende Flugabwehr erschwert die Verteidigung
Der ukrainische Präsident hatte bereits am Mittwoch vor unmittelbar bevorstehenden Luftangriffen gewarnt und sich dabei auf einen Lagebericht des Luftwaffenchefs Anatolij Krywonoschko berufen. Zugleich wies Selenskyj erneut auf einen kritischen Mangel an Abwehrraketen hin. Um schnelle ballistische Raketen abzufangen, benötigt die Ukraine dringend Hochleistungs-Flugabwehrsysteme wie das US-amerikanische Patriot-System.
Das Patriot-System gilt als eines der wenigen Flugabwehrsysteme, die in der Lage sind, hochgeschwindigkeitstreibende ballistische Raketen im Anflug verlässlich zu zerstören.
Beim Patriot-System handelt es sich um eine bodengebundene Flugabwehr, die primär zur Bekämpfung von Flugzeugen, Marschflugkörpern und ballistischen Raketen entwickelt wurde. Die Abwehr ballistischer Raketen erfordert spezialisierte Abfangraketen, da diese Geschosse extrem hohe Geschwindigkeiten erreichen und in einer steilen Flugkurve auf ihr Ziel herabstürzen.
Selenskyj berichtete nach einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump in Washington, dass dieser zugestimmt habe, der Ukraine Lizenzen für die Eigenherstellung von Patriot-Raketen zu erteilen. Dennoch bleibt die aktuelle Versorgungslage angespannt. Zudem teilte die ukrainische Luftwaffe mit, dass kürzlich ein F-16-Kampfjet bei einem Einsatz zur Abwehr feindlicher Flugobjekte abgestürzt ist.
Auswirkungen auf den NATO-Luftraum und Gegenangriffe
Die Angriffe nahe der westukrainischen Grenze veranlassten das operative Kommando der polnischen Streitkräfte, präventiv eigene Kampfflugzeuge sowie Frühwarnflugzeuge aufsteigen zu lassen. Das Land versetzte zudem bodengebundene Luftverteidigungssysteme in Bereitschaft. Später gaben die polnischen Streitkräfte bekannt, dass nahe dem Dorf Tarnawa-Kolonia in der Woiwodschaft Lublin die vermutliche Absturzstelle eines zuvor gesichteten unbekannten Flugobjekts entdeckt wurde.
Das russische Verteidigungsministerium bestätigte die Angriffswelle, gab jedoch an, ausschließlich militärische Ziele wie Flugplätze, Rüstungsbetriebe, Telekommunikationsnetzwerke und Logistikzentren attackiert zu haben. Auch drei Frachtschiffe im Schwarze Meer seien getroffen worden. Die ukrainische Seite führte ihrerseits Angriffe auf russisches Gebiet durch; dabei wurde unter anderem ein Öltanker in der Schwarzmeerstadt Noworossijsk getroffen.




























