Der Fußball-Weltverband FIFA verzichtet auf seine umstrittenen Pläne, Anteile an der Vermarktung von Weltmeisterschaften an private Investoren zu verkaufen. FIFA-Präsident Gianni Infantino erklärte am Freitagabend nach anhaltender Kritik aus Sport und Politik das offizielle Ende des Projekts. Mit diesem Schritt wendet die FIFA eine drohende Zerreißprobe im Weltfußball ab, nachdem mehrere Kontinentalverbände bereits mit einem geschlossenen Boykott künftiger Turniere gedroht hatten.
- FIFA-Präsident Gianni Infantino storniert das Investorenprojekt „FIFA Forward Enterprise“.
- Der geplante Verkauf von rund 20 Prozent der Anteile sollte bis zu 4,2 Milliarden US-Dollar einbringen.
- Die Kontinentalverbände UEFA, CONCACAF und AFC drohten mit einer geschlossenen Ablehnung.
- Intern führten die Pläne zum Rücktritt von Senior-Berater Carlos Cordeiro und öffentlicher Kritik von Vorstandsmitgliedern.
Der gescheiterte Milliarden-Plan von FIFA Forward Enterprise
Das erst wenige Tage zuvor angekündigte Vorhaben sah vor, eine neue Tochtergesellschaft namens „FIFA Forward Enterprise“ (FFE) zu gründen. In diesem Unternehmen sollten die kommerziellen Rechte an Wettbewerben wie der Männer- und Frauen-WM sowie der Klub-WM gebündelt werden. Durch den Verkauf einer Minderheitsbeteiligung von etwa 20 Prozent wollte der Weltverband bis zu 4,2 Milliarden US-Dollar (rund 3,9 Milliarden Euro) einnehmen, was dem neuen Geschäftsbereich eine Gesamtbewertung von 20 Milliarden US-Dollar eingebracht hätte. Unter den kontaktierten Geldgebern befand sich Berichten zufolge unter anderem die Investmentfirma Thrive Capital von Joshua Kushner.
Infantino argumentierte, die Einnahmen sollten schwächeren Mitgliedsverbänden weltweit zugutekommen, stieß damit jedoch auf fundamentale Bedenken hinsichtlich einer weitergehenden Kommerzialisierung des Sports.
Als Dachverband finanziert sich die FIFA üblicherweise aus den Einnahmen großer Turniere und verteilt einen Großteil der Gelder zur Sportförderung an ihre weltweiten Mitglieder. Die direkte Beteiligung privater Finanzinvestoren an den Herzstücken des Verbandsgeschäfts hätte eine historische Kehrtwende in der Struktur des internationalen Fußballs bedeutet.
Massiver Widerstand der weltweiten Kontinentalverbände
Die Reaktion der regionalen Dachverbände folgte umgehend auf den Vorstoß. Die europäische UEFA, die 55 Mitgliedsverbände vertritt, beschloss auf einer Dringlichkeitssitzung, alle FIFA-Wettbewerbe einschließlich der Weltmeisterschaft zu boykottieren, sollte der Plan umgesetzt werden. Die Weltmeisterschaft sei ein sportliches Vermächtnis und kein Investitionsprodukt, das man verkaufen könne.
Wenig später schlossen sich auch der nord- und mittelamerikanische Verband CONCACAF mit 41 Mitgliedern sowie der asiatische Verband AFC dem Protest an. Damit formierte sich eine Mehrheit von über 140 Staaten gegen das Vorhaben. Auch politische Stimmen schalteten sich ein: Der britische Premierminister Andy Burnham betonte öffentlich, dass der Fußball nicht den Investoren gehöre, sondern den Menschen, die Woche für Woche die Stadien füllen.
Interne Krise zwingt Infantino zum Rückzieher
Neben der Front der Verbände geriet Infantino auch im eigenen Haus stark unter Druck. Nachdem die FIFA in der Nacht zum Freitag noch fehlerhafte Medienberichte für die Empörung verantwortlich machen wollte, folgte der personelle Knall. Infantinos Senior-Berater Carlos Cordeiro trat mit sofortiger Wirkung zurück und bezeichnete das Vorhaben als schlechten Deal für den Fußball.
Betriebsdirektor Kevin Lamour warf dem FIFA-Präsidenten öffentlich vor, die Belegschaft getäuscht zu haben, und bezeichnete die Pläne als Projekt einer einzelnen Person.
Angesichts des verheerenden Echos lenkte Infantino schließlich ein. In einer offiziellen Erklärung räumte er ein, dass das Projekt Spaltungen hervorgerufen habe, die nicht mehr im Interesse der ursprünglichen Zielsetzung lägen. Der Zweck der FIFA sei es stets, zu vereinen. Daher werde der Vorschlag nicht weiterverfolgt.
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