Menschen der Altsteinzeit haben vor 20.000 bis 30.000 Jahren vorwiegend weibliche Wollhaarmammuts gejagt und verwertet. Das ergab eine umfassende Erbgut-Analyse eines internationalen Forschungsteams unter Leitung des Zentrums für Paläogenetik in Stockholm. Für die im Fachjournal Current Biology veröffentlichte Studie werteten die Wissenschaftler Genomdaten von insgesamt 521 Mammuts aus Eurasien und Nordamerika aus. Die Ergebnisse liefern klare Hinweise in einer Jahrzehnte alten Debatte darüber, ob riesige Knochenansammlungen an menschlichen Siedlungsplätzen natürlichen Ursprungs waren oder gezielt durch Jagd und Aasverwertung entstanden.
- Genanalysen von 521 Wollhaarmammuts belegen eine deutliche Präferenz altsteinzeitlicher Menschen für weibliche Tiere.
- An menschlichen Fundstätten stammten 70 Prozent der Knochen von Weibchen, während in natürlichen Fallen zu rund 67 Prozent Männchen überwogen.
- Neben dem Jagdverhalten stießen die Forschenden auf eine Chromosomenstörung bei einem Mammut.
Die genetische Geschlechtsbestimmung offenbarte einen drastischen Unterschied zwischen den Fundorten. Bei Fossilien aus natürlichen Kontexten wie Einsturzlöchern, Schlammfallen oder Erdrutschen waren etwa 66 bis 67 Prozent der Tiere männlich. Dies deckt sich mit dem vermuteten Verhalten: Männliche Einzelgänger gerieten als Solitäre vermutlich häufiger in natürliche Fallen. Völlig anders stellte sich die Lage an den elf untersuchten archäologischen Fundplätzen dar, an denen Menschen lebten.
An den mit menschlichen Aktivitäten verbundenen Fundstätten stammten 70 Prozent der untersuchten Überreste von weiblichen Tieren.
Vorhersehbare Routen und Herdenverhalten als Ursache
Dass Eiszeitjäger bevorzugt Weibchen nachstellten, könnte verschiedene Gründe haben. Weibliche Mammuts waren kleiner als ausgewachsene Bullen und boten daher womöglich ein geringeres Risiko bei einer Konfrontation. Zudem könnten Jungtiere die Fortbewegung der Herde verlangsamt haben. Ein weiterer entscheidender Faktor dürfte das Sozialverhalten gewesen sein: Wenn Wollhaarmammuts ähnlich wie heutige Elefanten in matriarchalisch geführten Herden lebten, bewegten sie sich auf festen, jahreszeitlich vorhersehbaren Wanderrouten.
Für altsteinzeitliche Jäger und Sammler war das Mammut eine überlebenswichtige Ressource, die Fleisch, Fett, Häute sowie Knochen für Behausungen und Elfenbein für Werkzeuge lieferte. Das gezielte Platzieren von Lagern an den Migrationsrouten der Herden erleichterte den Beuteerwerb erheblich. Aus wissenschaftlicher Sicht zeigt dies, dass die damaligen Menschen äußerst strukturiert vorgegingen und die Verhaltensmuster ihrer Beute genau kannten.
Genetische Überraschung auf der Wrangelinsel
Neben den Erkenntnissen über das menschliche Jagdverhalten brachte die Untersuchung von 448 neu sequenzierten Proben eine medizinische Premiere hervor. Bei einem Mammut von der sibirischen Wrangelinsel wiesen die Genetikern ein sogenanntes X0/XX-Mosaik nach. Bei dieser Mutation besitzen manche Zellen nur ein einzelnes X-Chromosom – beim Menschen ist dies als Turner-Syndrom bekannt.
Die Studie verdeutlicht den zunehmenden Stellenwert der Paläogenetik für die Archäologie. Groß angelegte Erbgutanalysen erlauben es der Forschung heute, weit über reine Stammbäume hinauszublicken und detaillierte Einblicke in das Verhalten fossiler Arten sowie die Lebensweise prähistorischer Menschen zu gewinnen.
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