Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) geht gemeinsam mit der Europäischen Fußball-Union (UEFA) auf deutlichen Konfrontationskurs zum FIFA-Präsidenten Gianni Infantino. Anlass ist das nächtliche Scheitern hochfliegender Pläne, kommerzielle Rechte an Wettbewerben des Weltverbands an private Investoren zu veräußern. DFB-Präsident Bernd Neuendorf warf der Führung des Weltverbandes in einer Stellungnahme eigenmächtiges Handeln vor und forderte eine lückenlose Aufarbeitung des Vorgangs. Der Vorstoß markiert eine neue Eskalationsstufe im Konflikt zwischen den führenden europäischen Verbänden und der FIFA-Spitze.
- Die FIFA zog ihre Pläne zum Verkauf von Anteilen an kommerziellen Rechtepaketen nach massivem Widerstand zurück.
- DFB-Präsident Bernd Neuendorf wirft Gianni Infantino eigenmächtiges und intransparentes Handeln vor.
- Mehrere europäische Verbände, darunter UEFA, DBU, KNVB und FA, sprechen von einem Vertrauensverlust und fordern Reformen.
DFB-Präsident Neuendorf sieht grundlegenden Vertrauensbruch
Nachdem die FIFA in der Nacht zum Samstag ihr Vorhaben aufgab, Anteile an den kommerziellen Rechtepaketen der Männer- und Frauen-Weltmeisterschaften sowie der Klub-WM an Investoren abzutreten, reagierte der DFB umgehend. DFB-Präsident Bernd Neuendorf erklärte gegenüber dem Sportinformationsdienst, dass der Schritt des Weltverbandes unausweichlich gewesen sei. Infantino habe bei diesem Projekt ohne Absprache gehandelt.
„Der FIFA-Präsident hat eigenmächtig, intransparent und letztlich auch unverantwortlich im Sinne des Fußballs gehandelt“, betonte DFB-Präsident Bernd Neuendorf.
Für den 65-Jährigen steht fest, dass der deutsche Verband nun gemeinsam mit der UEFA und weiteren Konföderationen eine tiefgreifende Veränderung durchsetzen muss. Entscheidungen innerhalb des Weltverbandes müssten künftig wieder transparent in den dafür vorgesehenen Gremien diskutiert und getroffen werden, anstatt hinter verschlossenen Türen verhandelt zu werden.
Europäische Verbände formieren breite Front gegen Infantino
Die Kritik aus Deutschland fügt sich in eine Welle von Absagen ein, die Infantino am Wochenende aus ganz Europa entgegenschlug. Die UEFA veröffentlichte ein ungewöhnlich scharfes Statement, in dem sie der FIFA-Führung vorwarf, einen schäbigen und undurchsichtigen Deal eingefädelt zu haben. Der Dachverband betonte, dass die aktuelle Führung das Vertrauen weitgehend verspielt habe und man Pläne, die von anonymen Akteuren ausgehandelt wurden, nicht länger hinnehmen werde.
Auch weitere nationale Verbände meldeten sich zu Wort:
- Dänemark (DBU): Präsident Jesper Møller erklärte, er könne Infantino nicht mehr unterstützen. Die Werte des Fußballs seien unter Druck geraten.
- Niederlande (KNVB): Der Verband sprach von einem fundamentalen Vertrauensbruch und betonte, dass die Angelegenheit mit dem bloßen Rückzug des Antrags keineswegs erledigt sei.
- England (FA): Der englische Verband forderte auf der Plattform X eine umfassende und gründliche Überprüfung der Governance-Strukturen des Weltverbandes.
- Norwegen (NFF): Präsidentin Lise Klaveness forderte via X einen echten Wandel hin zu mehr Offenheit und ein Ende der internen Kultur von Angst und Taktieren.
Bedeutung für die Governance im internationalen Sport
Der Rückzieher der FIFA offenbart grundlegende Spannungen in der Sportpolitik. Bei internationalen Fachverbänden obliegen strategische Rechteverkäufe und strukturelle Weichenstellungen traditionell den gewählten Exekutivkomitees und den Mitgliedsverbänden. Der Versuch, weitreichende kommerzielle Rechte ohne Vorababstimmung mit den großen Kontinentalverbänden zu veräußern, stieß auf geschlossenen Widerstand.
Das geschlossene Auftreten der europäischen Verbände zeigt, dass die UEFA und ihre Mitglieder weiterhin über ausreichend politischen Einfluss verfügen, um Alleingänge der FIFA-Spitze zu stoppen.
Für die Praxis bedeutet die gescheiterte Investorenöffnung, dass kommerzielle Rechte an den großen FIFA-Turnieren vorerst in den Händen des Weltverbandes verbleiben. Gleichzeitig dürfte der Druck auf Gianni Infantino steigen, die internen Entscheidungsprozesse offen zu legen und die Gremien der Mitgliedsverbände wieder stärker einzubinden.
Wie beurteilen Sie die scharfe Kritik des DFB und der UEFA an Gianni Infantino? Sollten private Investoren im internationalen Fußball eine Rolle spielen dürfen? Teilen Sie Ihre Meinung in den Kommentaren.




























