Nach dem plötzlichen Rückzieher bei einem umstrittenen Investorendeal steht FIFA-Präsident Gianni Infantino vor Trümmern seiner Führungspolitik. Der Präsident der spanischen La Liga, Javier Tebas, hat den Schweizer öffentlich zum Rücktritt aufgefordert und ihm die Eignung für das Spitzenamt abgesprochen. Auch der nord- und mittelamerikanische Kontinentalverband CONCACAF übte ungewöhnlich scharfe Kritik an Infantinos Führungsstil, nachdem zuvor bereits die UEFA und der DFB auf Distanz gegangen waren. Der Versuch, kommerzielle Rechte an Turnieren wie der Weltmeisterschaft an private Geldgeber zu veräußern, entwickelte sich innerhalb weniger Tage zu einer beispiellosen Vertrauenskrise für den Weltverband.
- Spaniens Ligachef Javier Tebas fordert den Rücktritt von FIFA-Präsident Gianni Infantino.
- Grund ist ein geplatzter Deal zum Verkauf kommerzieller Rechte an FIFA-Turnieren an private Investoren.
- Der Kontinentalverband CONCACAF, die UEFA und der DFB üben scharfe Kritik an mangelnder Transparenz.
- Unterstützung erhält Infantino weiterhin aus Ägypten und Marokko im Hinblick auf die geplante Wiederwahl im März.
Heftige Kritik aus Spanien und Nordamerika erschüttert die FIFA-Spitze
Infantino hatte seinen Plan aufgegeben, Anteile an den kommerziellen Rechten der FIFA-Wettbewerbe – darunter die Weltmeisterschaften der Männer und Frauen sowie die Klub-WM – an private Investoren zu veräußern. Der Schritt erfolgte nach massivem Widerstand aus Verbänden und Ligen. Für Javier Tebas greift die reine Rücknahme der Pläne jedoch zu kurz. Der 64-jährige Spanier erklärte in den sozialen Netzwerken, dass der Weltfußball eine neue Führung brauche, die Verbandsstrukturen modernisiere und Entscheidungen wieder im Konsens treffe.
Der Rückzug eines einzelnen Vorschlags lösche nicht aus, was geschehen sei, sondern stelle lediglich die Spitze des Eisbergs dar, betonte Tebas.
Der Ligachef verwies zudem auf Versäumnisse bei der Gestaltung des internationalen Spielkalenders, ungeklärte Korruptionsfälle, hohe Ticketpreise sowie den fehlenden echten Dialog bei Regelreformen. Ähnlich deutliche Worte fand der Kontinentalverband CONCACAF: Die geplante Veräußerung sei ein Symptom einer Führung, die den Fußball nicht mehr an erste Stelle setze, und verlangte eine umfassende Aufarbeitung der bisherigen Präsidentschaft.
Zentralisierte Machtstrukturen stoßen auf Widerstand der Großklubs und Verbände
Der Streit offenbart tiefgreifende strukturelle Spannungen im internationalen Fußball. Wenn ein Weltverband versucht, Kernrechte ohne vorherige Einbindung der Kontinentalverbände oder nationalen Ligen zu verwerten, berührt dies direkt die finanzielle und terminliche Souveränität aller Beteiligten. In Deutschland fand auch FC-Bayern-Präsident Herbert Hainer deutliche Worte. Kurz vor dem Abflug des Rekordmeisters zur Asien-Tour nach Südkorea bezeichnete Hainer die Investorenidee als aberwitzig und betonte, es sei unglaublich, dass kein Verband vorab eingeweiht gewesen sei.
Für Klubs und nationale Ligen bedeutet die fehlende Transparenz eine Bedrohung der eigenen Planbarkeit, da einseitige Verbandsentscheidungen den gesamten Spielkalender überlasten können.
Nachdem der DFB Infantino unverantwortliches Handeln vorgeworfen hatte und die UEFA dem FIFA-Chef bereits das Vertrauen entzog, steht das aktuelle Governance-Modell des Weltverbands vor einer grundlegenden Belastungsprobe.
Blick auf den FIFA-Kongress im März und die Spaltung der Verbände
Trotz der Welle der Empörung bleibt Infantino keineswegs ohne Rückhalt im Weltverband. Der ägyptische Fußballverband bekräftigte sein volles Vertrauen in die Führung des Schweizer FIFA-Präsidenten, und auch Marokko erneuerte seine Unterstützung. Infantino plant, sich im kommenden März im marokkanischen Rabat für eine letzte vierjährige Amtszeit wiederwählen zu lassen.
Für die kommenden Monate bedeutet dies eine Verschärfung der politischen Gräben innerhalb der FIFA: Während europäische und nordamerikanische Akteure grundlegende Reformen und eine Konsultation aller Betroffenen einfordern, setzen andere Mitgliedsverbände weiterhin auf Kontinuität. Für die Betroffenen geht es nun darum, sicherzustellen, dass einseitige Vorstöße dieser Art künftig nicht mehr ohne Einbindung der Verbände auf den Tisch kommen.
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