Die Krise der deutschen Automobilindustrie erfasst nun auch den Münchner Autokonzern BMW. Wie aus Unternehmenskreisen verlautete, plant das Unternehmen den Abbau von weltweit rund 8000 Arbeitsplätzen bis Ende 2027. Ein Großteil dieser Streichungen dürfte auf den Standort Deutschland entfallen, da hier mehr als die Hälfte der insgesamt knapp 154.000 Beschäftigten tätig ist. Die geplanten Maßnahmen richten sich jedoch nicht an die Arbeiter in den Fabriken, sondern gezielt an Angestellte im Verwaltungsbereich, in der Planung sowie in der Forschung und Entwicklung. Der Personalabbau soll ohne betriebsbedingte Kündigungen über freiwillige Abfindungsprogramme und die natürliche Fluktuation erfolgen.
- Rund 8000 Stellen sollen weltweit bis Ende 2027 gestrichen werden.
- Das Abfindungsprogramm in Deutschland richtet sich ausschließlich an Beschäftigte außerhalb der direkten Produktion.
- Verhandlungen zwischen Vorstand und Gesamtbetriebsrat wurden nach rund sechs Wochen abgeschlossen.
Freiwilliges Abfindungsprogramm für deutsche Standorte
Das geplante Abfindungsprogramm soll im Oktober 2026 anlaufen und bis Ende 2027 fortgeführt werden. In Deutschland kommen dafür rund 40.000 Beschäftigte im Büro- und Entwicklungsbereich infrage. Neben Abfindungen setzt BMW auf die sogenannte natürliche Fluktuation, etwa wenn Mitarbeiter in den Ruhestand gehen oder befristete Verträge auslaufen.
Das freiwillige Abfindungsprogramm steht allen deutschen Angestellten außerhalb der direkten Produktion offen und soll die Personalkosten nachhaltig senken.
Die Einigung folgte auf rund sechswöchige Verhandlungen zwischen dem Vorstand unter Führung von Konzernchef Milan Nedeljković und dem Gesamtbetriebsrat mit seinem Vorsitzenden Martin Kimmich. Bereits im Juni hatte der Konzern eine Gewinnwarnung herausgegeben und angekündigt, laufende Effizienzmaßnahmen zu verschärfen. Finanzchef Walter Mertl hatte damals Sonderbelastungen im Zuge der Restrukturierung in Höhe von rund einer Milliarde Euro in Aussicht gestellt.
Sinke Nachfrage in China und steigender Zolldruck
Grund für den Sparkurs ist eine Kombination aus internationalen Marktproblemen und regulatorischen Hürden. Vor allem das Geschäft in China brochen dem Konzern ein: Im zweiten Quartal gingen die Auslieferungen dort im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 30 Prozent zurück. Bereits im vergangenen Jahr waren die Fahrzeugauslieferungen in China auf dem niedrigsten Stand seit 2017. Hinzu kommen US-Zölle sowie der intensivierte Wettbewerb durch chinesische Elektrofahrzeug-Hersteller.
Konzernchef Nedeljković sprach vor Mitarbeitern von grundlegend veränderten Rahmenbedingungen in der Branche, die auch durch politische Vorgaben abseits der Marktrealität geprägt seien. Horst Ott, Bezirksleiter der IG Metall in Bayern und Mitglied im BMW-Aufsichtsrat, betonte, dass die tariflichen Errungenschaften unanzweifelbar blieben und BMW die Standortwettbewerbsfähigkeit in Deutschland durch diese Maßnahmen stärken wolle.
Verwaltungsränge rücken in den Fokus der Autoindustrie
Während bei früheren Restrukturierungswellen in der Industrie meist Fertigungsstandorte im Vordergrund standen, zeigt der Schritt von BMW einen Trend in der deutschen Wirtschaft: Kosteneinsparungen werden zunehmend in den Wasserköpfen von Verwaltung und Entwicklung gesucht.
Nach deutschen arbeitsrechtlichen Bestimmungen erfordern tiefgreifende Personalanpassungen eine enge Einbindung der Arbeitnehmervertretungen. Freiwillige Aufhebungsverträge sind dabei für Unternehmen das Mittel der Wahl, um langwierige Auseinandersetzungen um sozialauswahlpflichtige Kündigungen zu vermeiden. BMW galt lange als der letzte große deutsche Automobilhersteller, der ohne umfassendes Stellenabbauprogramm auskam. Wettbewerber wie Volkswagen, Mercedes-Benz und Porsche hatten bereits zuvor eigene Sparprogramme mit teils erheblichen Stelleneinsparungen angekündigt.
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