Der US-amerikanische Nachrichtensender MS NOW – vielen Zuschauern noch unter seinem früheren Namen MSNBC bekannt – zählt zu den einflussreichsten Stimmen des links-liberalen Spektrums in den USA. Nach der Abspaltung vom bisherigen Mutterkonzern NBCUniversal baut das Medienunternehmen seine digitale Eigenständigkeit weiter aus und wagt nun den Schritt ins kostenpflichtige Direktkundengeschäft. Wie die Senderführung ankündigte, startet am 9. September ein eigenes Abonnementsystem namens „Membership“. Für 7,99 US-Dollar pro Monat (umgerechnet etwa 7,40 Euro) oder 79,99 US-Dollar im Jahr (rund 74 Euro) erhalten Kunden Zugriff auf einen rund um die Uhr laufenden Livestream, neue Community-Funktionen sowie exklusive Inhalte.
- MS NOW startet am 9. September ein eigenes Digital-Abo für 7,99 US-Dollar im Monat.
- Bis Ende September gilt ein reduzierter Einführungspreis von 39,99 US-Dollar für das erste Jahr.
- Das Angebot umfasst 24/7-Livestreams, neue Themenrubriken und interaktive Formate mit Journalisten.
- Damit zieht der Sender mit Rivalen wie Fox News und CNN gleich, die bereits Bezahlmodelle betreiben.
Sender setzt auf digitale Bindung statt reiner Kabelgebühren
Mit dem Schritt reagiert MS NOW auf grundlegende Veränderungen im US-Medienmarkt. Traditionelle Kabelkanäle stehen zunehmend vor der Herausforderung, dass immer mehr Haushalte ihre klassischen TV-Anschlüsse kündigen und Formate ausschließlich online konsumieren.
Einnahmen aus Kabelgebühren allein reichen für Nachrichtensender kaum noch aus, weshalb direkte Abonnements zu einer zentralen Erlösquelle werden.
Nach Angaben der Senderpräsidentin Rebecca Kutler stellt das neue Abo den ersten Schritt einer langfristigen Strategie dar, um die Bindung zum Publikum zu vertiefen. Daten des Messdienstleisters Comscore verdeutlichen diesen Bedarf: Die Überschneidung zwischen den Zuschauern des traditionellen Fernsehkabelsenders und den Nutzern der digitalen Angebote liegt bei unter zehn Prozent. Während das lineare Kabelpublikum im Schnitt älter ist und rund neun Stunden Programm pro Woche sieht, erreicht die Online-Sparte eine völlig andere Zielgruppe.
Mark Lazarus, CEO der Muttergesellschaft Versant, betonte vor Analysten, dass es sich nicht um ein reines Videostreaming-Produkt handle. Ziel sei eine breitere Plattform, die Community-Elemente, zusätzliche Expertenbeiträge und Interaktionsmöglichkeiten mit bekannten Moderatoren bündelt.
US-Nachrichtensender kämpfen um zahlungsbereite Online-Zuschauer
Im Konkurrenzumfeld ordnet sich MS NOW preislich in der Mitte ein. Der konservativ ausgerichtete Rivalensender Fox News verlangt für seinen Dienst „Fox Nation“ 8,99 US-Dollar im Monat (rund 8,30 Euro) bzw. 71,49 US-Dollar im Jahr. CNN bietet sein Angebot „All Access“ für 6,99 US-Dollar monatlich (etwa 6,50 Euro) an, während NBC News einen Bezahlzugang für 5,99 US-Dollar nutzt. Um zum Start Kunden zu gewinnen, bietet MS NOW bis zum 30. September einen Jahrespass zum Einführungspreis von 39,99 US-Dollar (etwa 37 Euro) an.
Neuer Anlauf nach früheren Experimenten und Umstrukturierungen
Für die Marke, die 1996 von NBC und Microsoft als MSNBC gegründet wurde und im Juli ihr 30-jähriges Bestehen feierte, ist es nicht der erste digitale Ausflug. Bereits 2014 experimentierte der Sender mit der Online-Plattform „Shift“, später folgte die Integration einzelner Formate beim Streamingdienst Peacock. Nach der Abspaltung von Comcast und der Umbenennung in MS NOW sucht das Netzwerk nun nach einem eigenständigen Weg.
Neben dem neuen Abo-Modell baut das Unternehmen weitere Standbeine auf. Dazu gehören Kooperationen mit Formaten wie Crooked Media, ein starkes Podcast-Geschäft mit elf Millionen Downloads im Juni sowie kostenpflichtige Live-Veranstaltungen. Ende September plant der Sender ein Event in Texas, bei dem bekannte On-Air-Persönlichkeiten wie Rachel Maddow, Lawrence O’Donnell und Jen Psaki auftreten.
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