Wenn nächtlicher Hustenreiz den Schlaf raubt, greifen viele Menschen zu frei verkäuflichen Säften, Lutschtabletten oder Heißgetränken. Doch wissenschaftliche Auswertungen zeigen ein ernüchterndes Bild: Viele etablierte Hustenmedikamente besitzen nur eine begrenzte nachgewiesene Wirkung. Während ein Großteil der akuten Erkrankungen von selbst abklingt, erweisen sich einfache Hausmittel wie Honig in Studien oft als ebenso effektiv oder sogar überlegen. Mediziner raten daher zur gezielten Auswahl von Wirkstoffen und warnen vor Unverträglichkeiten sowie Risiken bei bestimmten Präparaten.
- Für die meisten frei verkäuflichen Hustensäfte gibt es nur sehr begrenzte Belege bezüglich ihrer Wirksamkeit.
- Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2020 bestätigt, dass Honig die Häufigkeit und Schwere von Husten effektiv lindert.
- Bei schweren Symptomen oder Reizungen, die länger als vier Wochen anhalten, ist eine ärztliche Untersuchung notwendig.
Wirkstoffe im Vergleich zeigen deutliche Qualitätsunterschiede
Ein zentraler Grund für die schwache Datenlage vieler Hustensäfte liegt in deren Markteinführung vor mehreren Jahrzehnten, als klinische Studien noch nicht heutigen Standards entsprachen. Hustenstiller sollen den Hustenreflex dämpfen, während Schleimlöser wie Bromhexin oder Auswurfmittel wie Guaifenesin das Sekret verflüssigen. Produkte, die angeblich gleichzeitig gegen trockenen und produktiven Husten helfen, ergeben medizinisch jedoch keinen Sinn.
Unter den Hustenstillern verfügt vor allem Dextromethorphan über eine wissenschaftlich belegte Wirksamkeit, kann jedoch Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Schläfrigkeit verursachen.
Andere Substanzen schneiden deutlich schlechter ab oder bergen Gefahren. Für das Opioid Dihydrocodein gibt es kaum Belege für eine Wirksamkeit; wegen des Missbrauchspotenzials wird es nur unter apothekerlicher Aufsicht abgegeben. Der Wirkstoff Pholcodin wurde 2023 in Australien sogar komplett aus den Regalen genommen. Er kann das Immunsystem so verändern, dass es bei einer späteren Narkose lebensbedrohlich auf Muskelrelaxanzien reagiert. Für Kinder werden Hustensäfte generell nicht empfohlen, da für diese Altersgruppe keine Belege für einen Nutzen vorliegen.
Bonbons und Heißgetränke bieten oft nur kurzfristige Linderung
Lutschtabletten können den Hals zwar vorübergehend beruhigen, verkürzen die Dauer des Hustens jedoch nachweislich nicht. Zudem enthalten einige Präparate pflanzliche Zusätze wie Andrographis, die seltene, aber schwere allergische Reaktionen bis hin zur Anaphylaxie auslösen können. Auch medizintechnisch beworbene Heißgetränke halten oft nicht, was die Verpackung verspricht.
Diese Pulvermischungen enthalten häufig Paracetamol, Vitamin C und den Wirkstoff Phenylephrin. Letzterer zeigt bei oraler Einnahme als Schleimhautabschweller kaum bis gar keine Wirkung. Der wahrgenommene Nutzen beruht meist auf der Wärme der Flüssigkeit und dem lindernden Effekt des Paracetamols bei Fieber oder Gliederschmerzen. Patienten sollten darauf achten, Wirkstoffe nicht versehentlich über mehrere Präparate hinweg doppelt zu dosieren.
Einfache Hausmittel überzeugen in wissenschaftlichen Analysen
Im Gegensatz zu vielen Arzneien wird ein einfaches Hausmittel durch die Wissenschaft gestützt. Eine große Metaanalyse aus dem Jahr 2020, die 14 wissenschaftliche Untersuchungen zusammenfasste, belegte die Wirksamkeit von Honig. Das Naturprodukt verringert sowohl die Frequenz als auch die Intensität des Hustens und beruhigt den gereizten Rachenraum ebenso gut oder besser als viele pharmazeutische Mittel.
Neben Honig helfen auch warme Flüssigkeiten und Dampfinhalationen dabei, festsitzenden Schleim zu lösen und die Atemwege zu befeuchten.
Grundsätzlich erfüllt Husten als Schutzreflex eine wichtige Funktion des Körpers zur Reinigung der Atemwege. Zur Vorbeugung bestimmter Atemwegserkrankungen spielen Impfungen eine wichtige Rolle; Personen ab 65 Jahren wird beispielsweise die Pneumokokken-Impfung empfohlen. Sollte ein Husten jedoch länger als vier Wochen beharren oder von akuter Atemnot, Schluckbeschwerden, Brustschmerzen oder Blutauswurf begleitet werden, ist unverzüglich medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Welche Erfahrungen haben Sie bei Erkältungen gemacht – vertrauen Sie auf klassische Hausmittel wie Honig oder nutzen Sie Präparate aus der Apotheke? Teilen Sie Ihre Meinung in den Kommentaren.























