In ganz Europa intensiviert sich die Debatte über den Schutz von Kindern auf digitalen Plattformen, doch der rechtliche Rahmen setzt engen Grenzen. Frankreichs oberstes Verfassungsgericht, der Conseil constitutionnel, hat ein Pioniergesetz gekippt, das Sozialen Medien für Jugendliche unter 15 Jahren untersagen sollte. Das französische Parlament hatte die Initiative erst im vergangenen Monat verabschiedet. Die Verfassungsrichter urteilten jedoch, dass die Regelung die Meinungsfreiheit verletze und unzureichende Rechtssicherheiten bei der geforderten Altersprüfung enthalte. Präsident Emmanuel Macron hat die Regierung umgehend angewiesen, den Gesetzentwurf zu überarbeiten.
- Frankreichs Verfassungsrat hat das geplante Social-Media-Verbot für unter 15-Jährige gestoppt.
- Die Richter kritisierten fehlende rechtliche Schutzmechanismen bei der Altersverifikation aller Nutzer.
- Präsident Macron fordert eine Überarbeitung, um die Reform vor der Präsidentschaftswahl 2027 umzusetzen.
Altersprüfungen treffen auch erwachsene Nutzer
Die Entscheidung unterstreicht eine zentrale rechtliche und technische Hürde bei der Regulierung von Online-Diensten in Europa: Um Minderjährigen den Zugriff effektiv zu verwehren, müssen Plattformen zwangsläufig das Alter aller Anwender überprüfen. Der Verfassungsrat stellte fest, dass der Gesetzgeber versäumt habe, die Bedingungen und Grenzen für diese Nachweise konkret festzulegen. Ohne klare gesetzliche Garantiemechanismen verletze eine solche Pflicht die Rechte der Bürger.
Für Gesetzgeber bedeutet das Urteil, dass Jugendschutz im Internet nicht durch ungenaue Prüfpflichten zu Lasten der allgemeinen Meinungsfreiheit durchgesetzt werden darf.
Das gestoppte Vorhaben sah vor, dass Jugendliche unter 15 Jahren ab dem 1. September keine neuen Konten bei Sozialen Netzwerken mehr eröffnen dürfen. Für bestehende Konten war eine Übergangsfrist bis Anfang 2027 vorgesehen. Zudem umfasste das Gesetz ein Handyverbot an weiterführenden Schulen sowie Vorgaben zur Altersverifikation in Abstimmung mit der französischen Datenschutzbehörde.
Präsident Macron hält am Kurs fest
Trotz des juristischen Dämpfers hält die politische Führung in Paris an dem Vorhaben fest. Wie der Élysée-Palast mitteilte, hat Präsident Emmanuel Macron Premierminister Sébastien Lecornu beauftragt, den Entwurf im Sinne der richterlichen Einwände nachzubessern. Macron strebt an, dass die Neuregelung noch vor der französischen Präsidentschaftswahl im Jahr 2027 in Kraft tritt.
Frankreich nimmt mit seinen Plänen eine Vorreiterrolle in Europa ein, wo auch Länder wie Dänemark und Großbritannien ähnliche Beschränkungen prüfen. Auch international wächst der Druck auf die Betreiber großer Netzwerke: Australien hat bereits ein Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren erlassen, das jedoch gerichtlich angefochten wird. Ähnliche Vorstöße gibt es zudem in Kanada sowie in mehreren US-Bundesstaaten.
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