Die Behandlung schwerer Brandverletzungen könnte vor einem bedeutenden Fortschritt stehen: Der Einsatz von speziell aufbereiteter Haut des Atlantischen Kabeljaus verkürzt den Krankenhausaufenthalt von Patienten im Schnitt um fast zwei Wochen und halbiert das Risiko gefährlicher Komplikationen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung von Daten aus 49 Verbrennungszentren mit 471 erwachsenen Betroffenen. Die mit der Fischhaut behandelten Personen konnten die Klinik nach durchschnittlich 23 Tagen verlassen, während der Aufenthalt mit synthetischen Hautersatzstoffen im Schnitt 35 Tage dauerte. Auch das Risiko für Komplikationen wie etwa eine Sepsis sank durch das Fischhaut-Präparat von 16 auf 8 Prozent.
- Eine Analyse von 471 Verbrennungspatienten zeigt eine Reduzierung der Krankenhausverweildauer um durchschnittlich 12 Tage durch Kabeljauhaut.
- Die Komplikationsrate halbiert sich im Vergleich zu synthetischen Hautersatzmitteln von 16 auf 8 Prozent.
- In der Kabeljauhaut enthaltenes Kollagen und Omega-3-Fettsäuren unterstützen die natürliche Geweberegeneration.
Wie die Struktur von Kabeljauhaut die Wundheilung fördert
Bei schweren Verbrennungen, die tiefere Hautschichten zerstören, ist eine Hauttransplantation meist unumgänglich. Um das Infektionsrisiko vor dem Eingriff zu minimieren und das Wundbett vorzubereiten, wird das betroffene Gewebe vorübergehend abgedeckt. Bisher kommen dabei häufig synthetische oder biosynthatische Materialien aus Kollagen zum Einsatz.
Das isländische Unternehmen Kerecis nutzt stattdessen die weitgehend intakte Haut von wildem Atlantischem Kabeljau (Gadus morhua). Unter dem Mikroskop ähnelt das Fischgewebe der menschlichen Haut verblüffend stark. Da kaum virale Erreger bekannt sind, die vom Fisch auf den Menschen übergehen, erfordert die Verarbeitung keine scharfen Chemikalien. Dadurch bleiben natürliche Strukturen und wertvolle Inhaltsstoffe wie Omega-3-Fettsäuren weitgehend erhalten.
Die im Fischgewebe enthaltenen Omega-3-Fettsäuren lösen zu Beginn eine gezielte Entzündungsreaktion aus, die Blutungen stoppt und anschließend rasch abklingt, um die Regeneration der Haut zu beschleunigen.
Vergleichsgruppen zeigen deutliche Unterschiede im Genesungsverlauf
Für die Studie wertete ein Team um John Lantis von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York Daten aus den Jahren 2019 bis 2025 aus. Die untersuchten Patienten wiesen Brandverletzungen auf durchschnittlich 13 Prozent ihrer Körperoberfläche auf, vorwiegend zweiten und dritten Grades. Vor einer geplanten Hauttransplantation erhielten 99 von ihnen das Fischhaut-Produkt „GraftGuide“, während die übrigen Personen mit herkömmlichen synthetischen Ersatzstoffen versorgt wurden. Die Studie wurde von Kerecis finanziert, die Datenanalyse erfolgte jedoch unabhängig.
Eine Reduzierung des Klinikaufenthalts um durchschnittlich zwölf Tage bedeutet für Betroffene nicht nur eine schnellere Rückkehr in den Alltag, sondern verringert auch die Gefahr von Krankenhausinfektionen maßgeblich.
Laufende Untersuchungen prüfen den Einsatz ohne Transplantation
Trotz der positiven Ergebnisse verweisen Fachleute auf die Grenzen rückwirkender Datenvergleiche. Fiona Wood von der University of Western Australia betont, dass direkte Vergleiche zwischen verschiedenen Patientengruppen stets schwierig seien und strikte Testreihen benötigt werden.
Eine entsprechende klinische Studie wird derzeit durchgeführt: Dabei untersuchen Forschende bei Verbrennungen zweiten Grades, ob die Fischhaut eine spätere Transplantation gänzlich überflüssig machen kann. Um verfälschende Einflüsse auszuschließen, wird bei jedem Teilnehmenden ein Teil der Wunde mit der Fischhaut und ein anderer Teil mit der herkömmlichen Methode behandelt. In den USA und im Vereinigten Königreich ist das Medizinprodukt aus Kabeljauhaut bereits für die Wund- und Verbrennungsbehandlung zugelassen.




























