Polestar, eine Elektroautomarke mit chinesischer Eigentümerstruktur, zieht einen definitiven Schlussstrich unter ihr Geschäft in den USA. Das Unternehmen hat entschieden, keine Rechtsmittel gegen das von den US-Behörden verhängte Verkaufsverbot einzulegen. Nach dem Modelljahr 2027 wird der Vertrieb von Neufahrzeugen auf dem amerikanischen Markt damit enden. Anstatt einen langwierigen juristischen Streit zu führen, verlagert der Hersteller seine Ressourcen nun auf andere Märkte, insbesondere nach Europa.
- Polestar verzichtet auf Berufung oder Klage gegen das US-Verkaufsverbot ab dem Modelljahr 2027.
- Die USA machten im vergangenen Jahr mit 5.747 Fahrzeugen nur sechs Prozent des weltweiten Absatzes aus.
- In den USA stehen 32 Vertragshändler vor einer ungewissen finanziellen Zukunft.
- Bestehende Servicezentren bleiben für die Wartung bereits verkaufter Autos geöffnet.
Sicherheitsbedenken beenden die Verkäufe ab 2027
Das Bureau of Industry and Security des US-Handelsministeriums hatte im vergangenen Monat angekündigt, den Verkauf neuer Polestar-Fahrzeuge nach dem Modelljahr 2027 zu untersagen. Als Begründung führte die Behörde die chinesische Eigentümerstruktur sowie die im Fahrzeug eingesetzte Technologie an. Während die Schwestermarke Volvo eine Ausnahmegenehmigung erwirken konnte, entschied sich Polestar nach eigenen Angaben trotz intensiver Gespräche mit den amerikanischen Behörden gegen einen juristischen Einspruch.
Sprecher Michael Ofiara erklärte gegenüber dem Wall Street Journal, dass Polestar seine Investitionen künftig auf Märkte mit einer starken Markenposition und rentablen Wachstumschancen ausrichten werde, wobei der Schwerpunkt klar auf Europa liege.
Geringer Marktanteil erleichtert die strategische Neuausrichtung
Die Entscheidung fällt dem Hersteller wirtschaftlich vergleichsweise leicht. Im vergangenen Jahr setzte Polestar in den Vereinigten Staaten lediglich 5.747 Fahrzeuge ab – obwohl der Polestar 3 und der Polestar 4 als hervorragende Fahrzeuge gelten. Damit entsprach der US-Markt nur etwa sechs Prozent des weltweiten Gesamtabsatzes der Marke.
Für internationale Automobilhersteller verdeutlicht dieser Schritt, wie stark geopolitische Vorgaben und Regularien den globalen Autohandel beeinflussen. Wenn einzelne Märkte hohe Barrieren errichten, verlagern Unternehmen ihre Kapazitäten rasch in stabilere Zielregionen.
US-Händlernetz steht vor ungewissen Perspektiven
Unmittelbar betroffen von dem Rückzug sind die 32 Polestar-Händler in den USA. Viele von ihnen betreiben parallel Volvo-Standorte und haben erhebliche Summen in den Aufbau der Marke investiert. Ein Betreiber, Matthew Haiken, investierte Millionen in ein neues Autohaus in East Hanover im US-Bundesstaat New Jersey und musste die Bauarbeiten nach der Ankündigung des Verbots vorerst stoppen.
Um bestehende Lagerbestände abzuverkaufen, bietet Polestar in den USA derzeit Nachlässe von bis zu 25.000 US-Dollar auf die Modelle Polestar 3 und Polestar 4 an.
Wie die finanzielle Regelung mit den Partnern aussehen wird, bleibt vorerst offen. Der New Yorker Rechtsanwalt Russell McRory wies darauf hin, dass US-Gesetze die Hersteller bei einem Marktaustritt oft zu Entschädigungen verpflichten. Polestar kündigte an, mit den Händlern zusammenzuarbeiten, um den Übergang zu gestalten. Der Kundendienst und die Servicezentren in den USA sollen bestehen bleiben, um verkaufte Fahrzeuge weiterhin zu betreuen.
Wie beurteilen Sie die Entscheidung von Polestar, sich aus dem US-Markt zurückzuziehen und den Fokus auf Europa zu legen? Teilen Sie Ihre Meinung in den Kommentaren!























