Mit frischem Kapital von mehr als 7,5 Milliarden Euro will der chinesische Halbleiterhersteller CXMT seine Produktionskapazitäten drastisch ausbauen und den technologischen Rückstand zur globalen Konkurrenz verringern. Dem Speicherchip-Spezialisten gelang am Tag seines Handelsauftakts an der Börse Shanghai der Sprung zum wertvollsten Unternehmen Chinas. Der Ausgabepreis der Aktie von 8,66 Yuan vervielfachte sich im Handelsverlauf zeitweise um mehr als 500 Prozent auf ein Hoch von 54,65 Yuan. Dadurch überholte der Börsenneuling gemessen am Marktwert zeitweise die Großbank Industrial and Commercial Bank of China (ICBC).
- CXMT hat beim größten asiatischen Börsengang des Jahres über 7,5 Milliarden Euro eingenommen.
- Die Aktie stieg am ersten Handelstag in Shanghai zeitweise um mehr als 500 Prozent.
- Staatliche Investoren hielten vor dem Börsengang über 36 Prozent der Firmenanteile.
Ein geringer Streubesitz befeuert die Spekulation an der Börse
Der Handelsauftakt an der Börse Shanghai verlief mit extrem hoher Aktivität. Allein im Vormittagshandel wurden CXMT-Aktien im Wert von 122 Milliarden Yuan umgesetzt. Der starke Kursanstieg wurde nach Einschätzung von Marktbeobachtern durch den geringen Anteil frei handelbarer Aktien verstärkt, der lediglich 6,73 Prozent beträgt. In der Spitze erreichte der Börsenwert von CXMT laut Auswertungen 3,65 Billionen Yuan (umgerechnet rund 473 Milliarden Euro), während der Marktbericht zum Handelsschluss eine Marktkapitalisierung von 85 Milliarden US-Dollar (umgerechnet rund 78 Milliarden Euro) auswies.
Lokalen Medienberichten zufolge überschritt erstmals eine einzelne Aktie an einem einzigen Handelstag ein Umsatzvolumen von mehr als 100 Milliarden Yuan.
Die steile Rallye löste an den Märkten jedoch auch Sorgen vor einer Blasenbildung aus. Marktteilnehmer bezeichneten das Papier als überbewertet und spekulativ. Hedgefonds-Manager Yuan Yuwei von Trinity Synergy Investments äußerte Bedenken hinsichtlich des hohen Preises. Der Investor Wu Zhou von Shenzhen Deyuan Investment gab an, seine beim Börsengang erworbenen Anteile aufgrund des steilen Anstiegs umgehend wieder vollständig veräußert zu haben.
Peking fördert die heimische Chipindustrie mit Milliardenbeträgen
Das Unternehmen, das früher unter dem Namen ChangXin Memory Technology firmierte, ist Chinas führender Hersteller von DRAM-Speicherchips. Diese Arbeitsspeicher bilden eine Schlüsselkomponente in modernen Elektronikgeräten wie Smartphones, Computern und Servern für Anwendungen der künstlichen Intelligenz. Bislang wird der globale Markt von den südkoreanischen Konzernen Samsung und SK Hynix sowie dem US-Anbieter Micron beherrscht. CXMT belegt weltweit den vierten Platz und wies für das Jahr 2025 im Börsenprospekt einen Marktanteil von 7,7 Prozent aus.
Für den weltweiten Halbleitermarkt bedeutet dieser Schritt, dass der staatlich geförderte Verfolger trotz strenger US-Sanktionen nun über erhebliche finanzielle Mittel verfügt, um seine Marktposition weiter auszubauen.
Seit Jahren verfolgt die Führung in Peking das Ziel, die Abhängigkeit von ausländischen Halbleitertechnologien zu verringern. Vor dem Gang an die Börse befanden sich mehr als 36 Prozent der Unternehmensanteile im Besitz staatlicher Stellen, darunter lokale Regierungsfonds und Chinas staatlicher Halbleiter-Investitionsfonds („Big Fund“). Aufgrund der hohen Nachfrage rechnet CXMT für das erste Halbjahr mit einem Umsatz von 110 bis 120 Milliarden Yuan, was mehr als einer Versiebenfachung entspräche.
Geopolitische US-Sanktionen erschweren den technologischen Aufstieg
Trotz des erfolgreichen Kapitalschnitts steht CXMT vor Herausforderungen. Im Vergleich zu den führenden Anbietern besteht weiterhin ein technologischer Rückstand, insbesondere bei hochmodernen HBM-Speicherchips, die für KI-Anwendungen benötigt werden. Zudem erschweren geopolitische Vorgaben die Weiterentwicklung.
Aufgrund von US-Exportkontrollen ist der Zugang zu modernsten Fertigungsanlagen, etwa vom niederländischen Hersteller ASML, stark eingeschränkt. Das US-Verteidigungsministerium stufte CXMT im Juni zudem als „chinesisches Militärunternehmen“ ein. Damit droht dem Konzern eine Platzierung auf der sogenannten Entity List, was den Geschäftskontakt mit US-Unternehmen massiv beschränken würde. Die Mittel aus dem Börsengang sollen nun vorrangig in Forschung und Kapazitätserweiterung fließen.
Wie beurteilen Sie Chinas Aufholjagd in der Chipindustrie? Glauben Sie, dass staatliche Investitionen den technologischen Rückstand im Halbleitermarkt wettmachen können? Teilen Sie Ihre Meinung in den Kommentaren!























