Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA hat ihre Ermittlungen zu massiven Motorschäden bei Fahrzeugen von General Motors erheblich ausgeweitet. Grund dafür sind anhaltende Beschwerden über versagende 6,2-Liter-V8-Motoren – selbst nach bereits durchgeführten Rückrufaktionen und Reparaturen. Die Behörde leitete eine sogenannte technische Analyse ein, die nun auch neuere Fahrzeuge der Modelljahre 2025 und 2026 umfasst. Damit gerät der US-Autokonzern wegen potenziell unzureichender Nachbesserungen unter zunehmenden Druck.
- Die US-Behörde NHTSA weitet die Untersuchungen zu defekten 6,2-Liter-V8-Motoren von GM aus.
- Trotz eines Rückrufs von fast 600.000 Fahrzeugen halten die Motorschäden unvermindert an.
- General Motors verzeichnet bereits fast 7.000 Beschwerden über Motorausfälle nach der Reparatur.
Tausende Motoren versagen trotz behördlich angeordneter Nachbesserung
Im Jahr 2025 hatte General Motors insgesamt 597.630 Pick-ups und SUVs in den USA zurückgerufen. Betroffen waren unter anderem die Modelljahre 2021 bis 2024 der Baureihen Cadillac Escalade, Chevrolet Silverado 1500, Tahoe und Suburban sowie die baugleichen GMC-Modelle Sierra und Yukon. Alle diese Fahrzeuge sind mit dem 6,2-Liter-V8-Motor des Typs L87 ausgerüstet.
Als Ursache für die Motorschäden identifizierten die Behörden damals Fertigungsmängel an den Pleueln und Kurbelwellen. Verunreinigungen in den Ölkanälen sowie Maßabweichungen an den Bauteilen führten zu schweren Lager- und Motorschäden. Im Vorfeld des Rückrufs wurden allein in den USA 28.102 Feldreklamationen, zwölf Unfälle und zwölf mögliche Verletzungsfälle mit dem Problem in Verbindung gebracht.
Der gewählte Lösungsansatz von General Motors greift nicht ausreichend
Als Abhilfe überprüften die Vertragshändler die Fahrzeuge: Beschädigte Motoren wurden repariert oder komplett ausgetauscht. Bei Motoren ohne erkennbare Schäden wendeten die Werkstätten hingegen eine einfachere Maßnahme an und stiegen auf ein Motoröl mit höherer Viskosität um. Genau diese Vorgehensweise steht nun im Fokus der Ermittler.
Bereits im Januar leitete die Sicherheitsbehörde eine Überprüfung der Reparaturwirksamkeit ein, nachdem 36 Fälle von Motorschäden nach der Beseitigung gemeldet worden waren.
Inzwischen ist die Zahl der direkten Behördenbeschwerden auf 499 angewachsen. Davon betreffen 473 Fälle Fahrzeuge, bei denen lediglich das Öl gewechselt wurde, und 26 Fälle Modelle mit einem kompletten Ersatzmotor. Noch gravierender sind die internen Zahlen des Herstellers: General Motors selbst meldete der Behörde 6.953 Beschwerden über Motorausfälle nach bereits erfolgter Reparatur. Zudem gingen 191 Berichte über Motorschäden bei Fahrzeugen ein, die außerhalb des bisherigen Rückrufzeitraums gebaut wurden.
Für Automobilhersteller verdeutlicht dieser Fall das Risiko vereinfachter Reparaturmaßnahmen. Ein bloßer Wechsel der Ölviskosität kann mechanische Fertigungsmängel im Motorblock in der Regel nicht dauerhaft ausgleichen. Auch in Europa und Deutschland, wo US-Modelle wie der Cadillac Escalade oder Chevrolet Tahoe über freien Import gefahren werden, beobachten Besitzer solche Rückrufe aufmerksam, da Ersatzteile und aufwendige Motortausche abseits des offiziellen Händlernetzes oft langwierig sind.
Eine tiefergehende Prüfung erhöht den Druck auf den Autokonzern
Die NHTSA hat den Ermittlungsstatus nun formal zu einer technischen Analyse hochgestuft und den Untersuchungsrahmen erweitert. Dies ist ein gewöhnlicher Prozess im US-Regulierungssystem: Reichen erste Nachbesserungen eines Herstellers nicht aus, wird die Untersuchung vertieft, um festzustellen, ob ein erneuter oder ausgeweiteter Rückruf gesetzlich angeordnet werden muss.
Da nun auch Fahrzeuge der Modelljahre 2025 und 2026 in die Untersuchung einbezogen sind, muss General Motors nachweisen, ob die Fertigungsmängel in den Produktionswerken tatsächlich behoben wurden. Sollte die Behörde zu dem Schluss kommen, dass die bisherigen Lösungsansätze wirkungslos waren, drohen dem Konzern erneute, extrem kostspielige Nachbesserungen an Hunderttausenden Fahrzeugen.
Fahren Sie selbst einen US-Import mit V8-Motor oder haben Sie Erfahrung mit Rückrufaktionen von Automobilherstellern gemacht? Teilen Sie Ihre Einschätzung in den Kommentaren!




























