Mit einer grundlegenden Wende in der US-Bildungsfinanzierung versuchen öffentliche Schulbezirke in den Vereinigten Staaten, neue Einnahmequellen zu erschließen. Grund dafür ist das im vergangenen Jahr verabschiedete Steuergesetz „One Big Beautiful Bill Act“, das ein bundesweites Programm nach dem Muster von Schulgutscheinen schuf. Während die Regelung ursprünglich vor allem Familien beim Besuch von Privatschulen oder beim Heimunterricht unterstützen sollte, eröffnen Richtlinien des US-Finanzministeriums nun auch öffentlichen Schulen den Zugang zu diesen Mitteln. Steuerzahler können direkte Abgaben an das Finanzamt in Spenden für lokale Bildungsprojekte umleiten.
- US-Steuerzahler können bis zu 1.700 US-Dollar (ca. 1.550 Euro) als 100-prozentige Steuergutschrift an Bildungsorganisationen spenden.
- Bislang haben sich 30 US-Bundesstaaten für die Teilnahme an dem Programm entschieden.
- Die Gelder fließen an den regulären Haushalten des US-Bildungsministeriums und dem Kongress vorbei.
- Finanzexperten schätzen das Potenzial für Schulbezirke auf bis zu drei Prozent ihres Gesamtbudgets.
Finanzielle Schieflage ebnete den Weg für neue Geldquellen
Öffentliche Schulbezirke in den USA stehen seit Jahren unter erheblichem finanziellem Druck. Steigende Kosten für die Krankenversicherung der Angestellten und sinkende Schülerzahlen haben in vielen Regionen zu Etatkürzungen, Schulschließungen und Entlassungen geführt. Im Clark County School District im Bundesstaat Nevada, dem fünftgrößten Schulbezirk der USA rund um Las Vegas, ging die Schülerzahl seit dem Zeitraum vor der Pandemie um mehr als 35.000 Kinder beziehungsweise elf Prozent zurück, was vor dem neuen Schuljahr zur Entlassung von 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern führte.
Gleichzeitig funktionierte die staatliche Bildungsfinanzierung bisher streng über parlamentarische Budgetzuteilungen. Bundesmittel flossen gewöhnlich direkt durch das US-Bildungsministerium und wurden vom Kongress beschlossen. Für klamme Bezirke blieben abgesehen von lokalen Schulsteuern oft nur traditionelle Spendenaktionen wie Kuchenverkäufe oder Sponsorenläufe der Elterninitiativen.
Das Gesetz bricht mit bisherigen Finanzierungsstrukturen
Mit dem Verabschieden des Steuergesetzes unter der Regie von Präsident Donald Trump änderte sich dieser Rahmen grundlegend. Im Juni veröffentlichte das US-Finanzministerium Leitlinien, die den genauen Mechanismus definierten: Steuerpflichtige können bis zu 1.700 US-Dollar (umgerechnet etwa 1.550 Euro) an staatlich zugelassene Organisationen zur Vergabe von Bildungsstipendien spenden. Der gespendete Betrag wird eins zu eins von der geschuldeten Bundeseinkommensteuer abgezogen.
Diese Methodik hebelt den klassischen Weg der Bildungsfinanzierung aus, da die Gelder direkt von den Steuerzahlenden an Zwischenorganisationen fließen und das US-Bildungsministerium sowie den Kongress komplett umgehen.
Solche Zwischenorganisationen können auch von gemeinnützigen Stiftungen öffentlicher Schulbezirke gegründet werden, sofern der jeweilige Bundesstaat dem Programm beitritt. Bisher haben 30 US-Bundesstaaten diesen Schritt vollzogen. Die gesammelten Gelder dürfen öffentliche Schulen für ein breites Spektrum an Ausgaben nutzen – etwa für Schülerbeförderung, Nachhilfe, Ausflüge, Arbeitsgemeinschaften, Schulbücher oder digitale Ausstattung. Sara Hazel, Präsidentin der Denver Public Schools Foundation in Colorado, betonte, man wolle potenzielle Spender fragen, ob das Geld lieber an die Steuerbehörde IRS oder an lokale Kinder fließen solle. Auch Justin Dayhoff, Finanzchef des Schulbezirks in Clark County, verteidigte die Nutzung der Mittel.
Regulierungen stehen bevor und politische Konflikte drohen
In den kommenden Monaten steht die Veröffentlichung detaillierter Ausführungsbestimmungen durch das US-Finanzministerium an, um finale Schutzplanken für das Programm festzulegen. Für Schulbezirke stellt sich nun konkret die Frage der Umsetzung. Finanzexperten wie Marguerite Roza von der Georgetown University schlagen vor, dass Schulbezirke mit Arbeitgebern zusammenarbeiten könnten, um Spenden direkt über die Gehaltsabrechnung der Beschäftigten abzuwickeln. Allein durch die Einbindung der eigenen Angestellten könnte ein Bezirk geschätzt rund 200 US-Dollar pro Schüler einnehmen.
Für die Schulverwaltung bedeutet dies jedoch eine politische Gratwanderung. Für Kritiker und Lehrergewerkschaften stellt das System ein trojanisches Pferd dar, das die Ausweitung von Privatschulgutscheinen vorantreiben soll.
Für finanzschwache Regionen könnte das System zudem Ungleichheiten verstärken, da der Erfolg davon abhängt, ob eine Region genügend einkommensstarke Haushalte mit entsprechender Steuerlast beherbergt.
Thomas Toch, Direktor der Denkfabrik FutureEd an der Georgetown University, warnte, dass einkommensschwache Bezirke kaum Zugriffe auf große Spendenvolumina haben werden. Dennoch rechnen Finanzexperten damit, dass angesichts des Drucks auf die Haushalte kaum ein Schulbezirk es sich leisten kann, die verfügbaren Einnahmen ungenutzt zu lassen.
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