Der US-Fahrdienstleister Uber sieht sich trotz hoher Geschäftszahlen mit einer strategischen Hürde konfrontiert: Das eigene Kerngeschäft ist so groß geworden, dass neue Geschäftsideen nur schwer die nötige Aufmerksamkeit und Ressourcen erhalten. Wie Chief Operating Officer Andrew Macdonald im Podcast „20VC“ erklärte, stehe das Unternehmen vor dem klassischen Dilemma großer Innovatoren. Mit hochgerechnet fast 250 Milliarden US-Dollar (rund 230 Milliarden Euro) an jährlichen Bruttobuchungen müsse ein neues Produkt das Potenzial haben, rasch ein Milliardengeschäft zu werden, um im Konzern überhaupt als ausreichend attraktiv wahrgenommen zu werden.
- Uber erzielt hochgerechnet rund 250 Milliarden US-Dollar an Bruttobuchungen pro Jahr.
- Autonomes Fahren bildet laut Führungsebene das derzeit größte einzelne Investitionsfeld des Konzerns.
- Eine neue Partnerschaft mit Zipline soll Drohnenauslieferungen für Uber Eats ermöglichen.
Das Innovator’s Dilemma bremst interne Projekte
Macdonald beschrieb die Herausforderung etablierter Marktführer, neue Geschäftsfelder aufzubauen. Wenn die Kernsparte eine derartige Dominanz erreicht hat, absorbiert sie den Großteil der organisatorischen Kapazitäten – von Entwicklerressourcen über Marketingbudgets bis hin zur Führungsaufmerksamkeit. Selbst vielversprechende Ansätze gehen im Schatten des Hauptgeschäfts oft unter.
„Das, was man bereits aufgebaut hat, ist so groß, dass es einfach die organisatorischen Kapazitäten für alles andere verschlingt“, betonte Macdonald im Gespräch.
In der Wirtschaftswissenschaft beschreibt das Konzept des Innovator’s Dilemma ein bekanntes Phänomen: Etablierte Marktführer konzentrieren sich naturgemäß auf die Pflege ihrer profitabelsten Kernprodukte. Dadurch entsteht Raum für flexiblere Herausforderer, die disruptive Technologien schneller zur Marktreife bringen können. Für Konzerne bedeutet das oft, dass interne Projekte träger ablaufen, da Teams im Überfluss vorhandener Ressourcen an Tempo verlieren.
Autonomes Fahren und Drohnen als Wachstumsbringer
Um diesen Stagnationsgefahren entgegenzuwirken, setzt Uber auf gezielte Großinvestitionen und externe Partnerschaften. Das größte Investitionsvolumen fließt derzeit in die Entwicklung und Integration autonomer Fahrzeuge. Neben Kooperationen mit Robotaxi-Anbieter Waymo hat Uber die Sparte „Uber Autonomous Solutions“ ins Leben gerufen. Schätzungen der Financial Times zufolge belaufen sich die Verpflichtungen des Konzerns in diesem Bereich auf mehr als 10 Milliarden US-Dollar (rund 9,2 Milliarden Euro).
Parallel dazu erweitert das Unternehmen seine Logistiksparte Uber Eats. Durch eine Partnerschaft mit dem Startup Zipline sollen Kunden noch in diesem Jahr erste Drohnenlieferungen erhalten. Bis Ende 2029 visieren die Partner eine Million tägliche Auslieferungen aus der Luft an. Die Kooperation beinhaltet auch eine strategische Beteiligung von Uber an Zipline.
Skaleneffekte verschaffen neuen Ideen Startvorteile
Trotz der internen Hürden bietet die schiere Größe des Unternehmens einen gewaltigen Hebel. Mit zuletzt 58 Milliarden US-Dollar (rund 53 Milliarden Euro) Bruttobuchungen und 14,2 Milliarden US-Dollar (rund 13 Milliarden Euro) Umsatz in einem einzigen Quartal bedient Uber monatlich durchschnittlich 208 Millionen aktive Nutzer. Wenn ein neues Angebot die Marktreife erreicht, kann Uber es ohne Zeitverlust einer weltweiten Millionenbasis präsentieren.
Diese bestehende Reichweite von über 200 Millionen Menschen verschafft neuen Angeboten einen Startvorteil, den eigenständige Startups kaum aufholen können.
Um aussichtsreichen Ideen intern dennoch Raum zu geben, nutzt der Konzern ein Programm namens „Growth Bets“. Hierbei werden Mitarbeiter exklusiv für neue Projekte abgestellt, anstatt sie parallel im Tagesgeschäft einzusetzen. So soll verhindert werden, dass Routineaufgaben die Entwicklung zukunftsweisender Innovationen blockieren.
Glauben Sie, dass etablierte Tech-Konzerne durch Kooperationen mit Startups dauerhaft innovativ bleiben können? Teilen Sie Ihre Meinung in den Kommentaren!




























