Der Druck auf FIFA-Präsident Gianni Infantino wächst drastisch: Neben mehreren großen Kontinentalverbänden fordert nun auch ein weltweites Fanbündnis den Rücktritt des Schweizer Funktionärs. Auslöser der scharfen Kritik ist der inzwischen zurückgezogene Plan Infantinos, Anteile an den Vermarktungsrechten der Fußball-Weltmeisterschaften an private Investoren zu verkaufen. Während Verbände wie die UEFA, die asiatische AFC und die nordamerikanische CONCACAF sogar über ein Misstrauensvotum beraten, verlangen Fanorganisationen über eine globale Petition grundlegende Reformen im Weltfußballverband. Infantino hält dennoch an seinen Plänen für eine Wiederwahl im März 2027 fest.
- Ein weltweites Fanbündnis verlangt per Petition den sofortigen Rücktritt von FIFA-Präsident Gianni Infantino.
- Die Kontinentalverbände UEFA, AFC und CONCACAF erwägen ein Misstrauensvotum gegen die FIFA-Führung.
- Anlass der Welle der Kritik ist der gescheiterte Versuch, WM-Vermarktungsrechte an private Investoren zu veräußern.
Mit einer gemeinsamen Petition auf Change.org haben sich globale Fanvertretungen wie die Football Supporters Europe, die Football Supporters Africa und der Independent Supporters Council zusammengeschlossen, um den Rücktritt des seit 2016 amtierenden FIFA-Präsidenten zu fordern. Auch deutsche Bündnisse wie „Unsere Kurve“, „BAFF“, „F_in Frauen im Fußball“ und die „Queer Football Fanclubs“ unterstützen die Initiative. Zeitgleich verdichten sich die Anzeichen, dass mit der europäischen UEFA, der asiatischen AFC und der nordamerikanischen CONCACAF drei der sechs Kontinentalverbände über formelle Schritte beraten. In Verbandskreisen wird offen über die Herbeiführung eines Misstrauensvotums gesprochen.
Umstrittener Investorenplan belastet das Vertrauen nachhaltig
Der Auslöser für den Gegenwind liegt in einem gescheiterten kommerziellen Vorhaben: Infantino plante, über die Tochtergesellschaft „FIFA Forward Enterprise“ rund 20 Prozent der kommerziellen Rechte an Weltmeisterschaften für anvisierte 20 Milliarden US-Dollar an private Geldgeber abzugeben. Kritiker werten diesen Vorstoß als Versuch einer unzulässigen Kommerzialisierung. Die Fanbündnisse werfen der FIFA-Führung einen Verrat an den Fans vor und kritisieren zudem frühere Entscheidungen wie die dynamische Ticketpreisgestaltung sowie die Idee einer zweijährigen WM.
Die beteiligten Fanorganisationen und Verbände werten das Vorgehen der FIFA-Spitze als fundamentalen Vertrauensbruch, der eine tiefgreifende Reform der Verbandsführung erforderlich macht.
Für die Governance des Weltverbands bedeutet diese Konstellation eine erhebliche Belastung. Die Statuten der FIFA sehen ein spezifisches Verfahren für ein Misstrauensvotum gegen den Präsidenten nicht explizit vor. Allerdings kann der FIFA-Rat jederzeit einen Außerordentlichen Kongress einberufen. Zudem ist der Rat dazu verpflichtet, wenn mindestens ein Fünftel der 211 Mitgliedsverbände dies schriftlich beantragt. Ein solcher Kongress müsste anschließend innerhalb von drei Monaten stattfinden.
Komplizierte Mehrheitsverhältnisse vor dem FIFA-Kongress 2027
Trotz der Welle der Kritik zeigt sich Infantino entschlossen, bei der anstehenden Wahl auf dem FIFA-Kongress am 18. März 2027 im marokkanischen Rabat für eine weitere Amtszeit anzutreten. Um wiedergewählt zu werden, benötigt er die einfache Mehrheit von 106 der insgesamt 211 Stimmen der Mitgliedsverbände. Seine Ausgangslage ist keineswegs aussichtslos: Der afrikanische Kontinentalverband CAF sowie sechs arabische Verbände, darunter Katar und WM-Mitorganisator Marokko, haben dem FIFA-Chef bereits öffentlich ihr Vertrauen ausgesprochen.
Ein gescheitertes Misstrauensvotum birgt für Infantinos Oppositionslager jedoch erhebliche Risiken. Sollten UEFA, AFC und CONCACAF keine ausreichende Mehrheit unter den Nationalverbänden organisieren können, würde ein erfolgloser Vorstoß Infantinos Machtposition vor der anstehenden Wahl im Jahr 2027 womöglich stärken.
Wie beurteilen Sie die Kritik an Gianni Infantino? Sollten Fanbündnisse und Kontinentalverbände mehr Mitspracherecht bei Entscheidungen der FIFA erhalten? Teilen Sie Ihre Meinung in den Kommentaren!




























