Europa blickt auf einen extremen Sommer zurück, in dem anhaltende Dürren, Waldbrände und außergewöhnlich hohe Temperaturen zu einer massiven Übersterblichkeit geführt haben. Nach vorläufigen Auswertungen europäischer Gesundheitsbehörden und der Überwachungsplattform EuroMomo forderten die Hitzewellen der vergangenen Monate auf dem Kontinent mehr als 30.000 Menschenleben. Die Zählungen für acht besonders betroffene Länder ergaben bereits rund 33.000 Hitzetote oder zusätzliche Todesfälle. Wissenschaftler führen die zunehmende Häufigkeit und Intensität solcher Hitzewellen auf den von Menschen verursachten Klimawandel durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas zurück.
- Die Überwachungsplattform EuroMomo schätzt die Übersterblichkeit in Europa zwischen Mitte Juli und Mitte August auf über 32.000 Fälle.
- In Deutschland meldete das Robert-Koch-Institut bis Anfang August rund 14.000 hitzebedingte Todesfälle – ein Rekord seit Aufzeichnungsbeginn 2016.
- Die tödlichste Phase der Hitzewelle lag in der letzten Juniwoche mit knapp 16.000 registrierten Todesfällen.
Der frühe Sommer brachte bereits erste Hitzewellen
Die Entwicklung kündigte sich bereits mit dem Beginn der warmen Jahreszeit an. Ende Mai und im Juni trafen erste ungewöhnlich starke Hitzewellen mehrere Teile Europas. In England führten die Frühtemperaturen in diesem Zeitraum laut der nationalen Arbeitsschutzbehörde zu 2.877 hitzebedingten Todesfällen.
Auch Österreich verzeichnete im Juni mit 396 Hitzetoten laut der Gesundheitsagentur AGES einen Höchstwert seit Beginn der dortigen Datenerfassung im Jahr 2017. In den Niederlanden starben nach Auswertung des RIVM-Instituts für öffentliche Gesundheit zwischen dem 22. Juni und dem 5. Juli 968 Menschen mehr als in dieser Jahreszeit üblich.
Hohe Temperaturen gipfelten in tödlicher Sommerhitze
Ihren Höhepunkt erreichte die Hitzewelle Ende Juni und Anfang Juli. Laut den Schätzungen von EuroMomo war die letzte Juniwoche mit fast 16.000 zusätzlichen Todesfällen die tödlichste Woche des Sommers, gefolgt von der ersten Juliwoche mit rund 8.000 Verstorbenen. Bei der statistischen Ermittlung der Übersterblichkeit vergleichen Gesundheitsbehörden die tatsächlich gemeldeten Todesfälle mit dem erwarteten Durchschnittswert der Vorjahre.
In Deutschland stiegen die Zahlen bis zum 9. August auf etwa 14.000 hitzebedingte Todesfälle an, was nach Daten des Robert-Koch-Instituts den höchsten Stand seit Beginn dieser Auswertungen im Jahr 2016 darstellt.
Wie in anderen europäischen Ländern litten in Deutschland vor allem Menschen über 75 Jahre unter den extremen Bedingungen. Auch Spanien erlebte im Juli einen der heißesten Monate seit Messbeginn 1961 und zählte zwischen Juni und Mitte August knapp 4.500 Hitzetote. Frankreich meldete für die Spanne von Ende Mai bis zum 22. Juli bereits 7.300 zusätzliche Todesfälle, während Belgien für einen vierwöchigen Zeitraum bis Mitte Juli 2.570 Fälle auswies. In Portugal starben von Mitte Juni bis Ende Juli mehr als 600 Menschen exzessiv.
Für das Gesundheitswesen bedeuten solche Zahlen eine wiederkehrende Belastungsprobe. Dies impliziert für Kommunen und Gesundheitseinrichtungen, dass der Schutz verletzlicher Bevölkerungsgruppen durch gezielte Hitzeaktionspläne und bauliche Anpassungen in den kommenden Jahren eine deutlich höhere Priorität erhalten muss.
Die endgültigen Zahlen stehen in den kommenden Wochen an
Da der Sommer zum Zeitpunkt der ersten Bilanzen noch nicht abgeschlossen war, werden die vorläufigen Schätzungen in den kommenden Wochen schrittweise überarbeitet. Gesundheitsbehörden wie das belgische Institut Sciensano haben angekündigt, im September aktualisierte Daten vorzulegen, die auch die späteren Hitzeperioden und Dürrephasen von Ende Juli bis Mitte August berücksichtigen. Da das Modell von EuroMomo zudem nur offizielle Statistiken aus 23 europäischen Ländern umfasst und Teile Osteuropas ausspart, dürfte die Gesamtzahl der Opfer im Nachgang noch weiter ansteigen.




























