Für Verbraucher im deutschsprachigen Raum blieb Apples rund 3.500 US-Dollar (umgerechnet etwa 3.200 Euro) teure Headset Vision Pro von Beginn an ein extrem hochpreisiges Nischenprodukt für Entwickler und Enthusiasten. Nun zieht der US-Technologiekonzern offenbar organisatorische Konsequenzen aus der verhaltenen Nachfrage am Gesamtmarkt. Wie US-Medien übereinstimmend berichten, streicht Apple im Rahmen einer internen Umstrukturierung mehr als 200 Stellen. Betroffen sind vor allem die Entwicklerteams der Mixed-Reality-Brille Vision Pro sowie Mitarbeiter im Bereich des Sprachassistenten Siri. Damit verdichten sich die Anzeichen für einen grundlegenden Strategiewechsel bei künftigen Datenbrillen.
- Apple baut Medienberichten zufolge über 200 Arbeitsplätze in den Teams von Vision Pro und Siri ab.
- Einheiten für VR-Spiele sowie für immersive Inhalte werden deutlich verkleinert oder geschlossen.
- Günstigere Ableger des Headsets wurden gestrichen, der Fokus verschiebt sich auf schlanke Datenbrillen.
Einschnitte treffen Software-Teams und Hardware-Entwicklung
Nach Informationen von Bloomberg sowie dem Fachportal Appleinsider verteilen sich die Entlassungen auf mehrere Kernbereiche. Allein im Spezialteam der Vision Products Group sollen mindestens 60 Stellen wegfallen. Zudem wird ein Entwicklerteam für VR-Spiele weitgehend aufgelöst und die Abteilung für immersive Inhalte verkleinert. Apple teilte in einer Stellungnahme gegenüber Bloomberg mit, man nehme diese Anpassungen vor, um das Geschäft weiterzuentwickeln und den Nutzern optimale Erlebnisse zu bieten, betonte jedoch zeitgleich das Schaffen neuer Positionen an anderer Stelle.
Die Umstrukturierungen fügen sich in eine Reihe personeller Verschiebungen an der Konzernspitze ein. Mike Rockwell, bisheriger Leiter der Vision-Sparte, wurde mit der Neuausrichtung des KI-Assistenten Siri betraut, dessen überarbeitete Version auf der jüngsten Entwicklerkonferenz WWDC vorgestellt wurde und noch in diesem Jahr als Beta-Version erscheinen soll. Sein Nachfolger Paul Meade verließ das Unternehmen bereits im Juni in Richtung OpenAI. Die aktuellen Einschnitte wurden vom designierten Apple-CEO John Ternus genehmigt, der am 1. September die Nachfolge von Tim Cook antritt.
Das teure Headset bleibt im Massenmarkt chancenlos
Die Anfang 2024 gestartete Vision Pro sollte ursprünglich den Beginn des sogenannten Spatial Computings markieren. Das hohe Gewicht und der extrem hohe Anschaffungspreis verhinderten jedoch breite Verkaufszahlen. Für den Verbrauchermarkt bedeutet die Neuausrichtung eine Absage an erschwinglichere Varianten der komplexen Hardware: Marktbeobachter wie der Analyst Ming-Chi Kuo berichten, dass Pläne für eine leichtere und günstigere „Vision Air“ gestrichen wurden. Auch Verhandlungen mit Zulieferern wie Samsung Display über Displays für ein günstigeres XR-Gerät wurden vorerst ausgesetzt.
Der Schritt verdeutlicht, dass die Ära schwerer VR-Headsets auf dem Massenmarkt vorerst an Grenzen stößt und Technologieriesen stattdessen auf alltagstaugliche Formfaktoren setzen.
Fokus rückt auf KI-gestützte Smart Glasses
Anstelle von isolierten VR-Brillen rücken nun schlanke, KI-gestützte Datenbrillen ohne eigenes Display in den Mittelpunkt der Entwicklung. Angeregt durch den Erfolg konkurrierender Smart Glasses arbeitet Apple Berichten zufolge an Brillen, die mit Kameras, Mikrofonen sowie Lautsprechern ausgestattet sind und primär als KI-gestütztes Zubehör für das iPhone dienen. Ein solches Produkt könnte bereits im kommenden Jahr präsentiert werden, während komplexere AR-Brillen mit optischen Wellenleitern im Glas laut Branchenanalysten erst für die zweite Hälfte des Jahrzehnts erwartet werden.
Wie bewerten Sie Apples Schwenk weg von VR-Headsets hin zu schlanken Smart Glasses? Nutzen Sie bereits intelligente Wearables im Alltag?




























