Die Europäische Union macht zwar deutliche Fortschritte im Kampf gegen virale Hepatitis, droht jedoch wichtige globale Ziele zu verfehlen. Nach aktuellen Daten des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) ist das Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Hepatitis B und C bis zum Jahr 2030 als erhebliche Gefahr für die öffentliche Gesundheit zu beseitigen, derzeit außer Reichweite. Zwar sanken die Infektionszahlen bei Kindern und Jugendlichen in den 30 Ländern des Europäischen Wirtschaftsraums spürbar, doch unzureichende Impfquoten und fehlende Präventionsangebote bremsen die Beseitigung der Viruserkrankung regional weiterhin stark aus.
- Rund fünf Millionen Menschen im EU/EWR-Raum leben mit chronischer Hepatitis B oder C.
- Nur neun von 25 ausgewerteten EU/EWR-Ländern erreichen die WHO-Zielquote von 95 Prozent bei Kinderimpfungen gegen Hepatitis B.
- Jährlich sterben in der Region fast 60.000 Menschen an den Folgen von Lebererkrankungen durch Hepatitis.
Erfolge bei der Prävention schützen vor allem Jugendliche
Die von der ECDC vorgelegten Analysen verdeutlichen, dass langjährige Schutzkonzepte durchaus Wirkung zeigen. In allen 30 Staaten der Europäischen Union und des Europäischen Wirtschaftsraums (EU/EWR) sind routinemäßige Vorsorgeuntersuchungen für Schwangere fest etabliert. Diese Maßnahme hat dazu beigetragen, die Übertragung von Hepatitis B von der Mutter auf das Kind auf unter zwei Prozent zu senken. Bei Kindern unter fünf Jahren liegt die Prävalenz inzwischen nahe null.
Auch bei jungen Menschen machen sich die Maßnahmen bemerkbar. Der Anteil akuter Hepatitis-B-Fälle bei Personen unter 25 Jahren ging von 11 Prozent im Jahr 2015 auf 8 Prozent im Jahr 2024 zurück. Zudem verfügen viele Mitgliedsstaaten über funktionierende Sicherheitssysteme zur Überprüfung von Blut, Gewebe und Zellen, die den Vorgaben der EU-Verordnung für Substanzen menschlichen Ursprungs entsprechen.
Gefährliche Lücken bei Durchimpfung und Drogenhilfe
Dennoch bleibt die Krankheitslast in der Region hoch. Schätzungsweise fünf Millionen Menschen in der EU und dem EWR leben mit einer chronischen Hepatitis-B- oder Hepatitis-C-Infektion.
Trotz hochwirksamer Medikamente und etablierter Schutzmaßnahmen sterben in Europa jedes Jahr fast 60.000 Menschen an den Spätfolgen chronischer Hepatitis-Infektionen.
Hauptursache für das Stagnieren der Fortschritte sind Defizite auf kommunaler Ebene. Lediglich neun von 25 berichtenenden Ländern erreichen das WHO-Ziel einer Impfquote von 95 Prozent bei Kindern gegen Hepatitis B; einige Staaten verzeichneten zuletzt sogar einen Rückgang. Bei Hepatitis C erfolgt die Übertragung am häufigsten über den injizierenden Drogenkonsum. Zwar gelten Schadensminimierungsprogramme wie die Vergabe steriler Spritzen und Substitutionstherapien als hochwirksam, jedoch erfüllen bisher nur sieben EU/EWR-Länder die WHO-Empfehlungen zur Verteilung von sterilem Injektionsbesteck.
Gezielte Maßnahmen in Risikobereichen bleiben entscheidend
Um die Lücken im Infektionsschutz zu schließen, arbeiten die ECDC und die Drogenagentur der Europäischen Union (EUDA) an gezielten Interventionen. Unter anderem stellen die Behörden ein Online-Toolkit bereit, das die Eindämmung viral gefährlicher Infektionen in Haftanstalten unterstützen soll. Eine verbesserte medizinische Versorgung in solchen Einrichtungen gilt als Schlüssel, um Infektionsketten nachhaltig zu unterbrechen.
Für die europäischen Gesundheitssysteme bedeutet das drohende Verfehlen der WHO-Ziele eine anhaltende Belastung. Wenn Lücken bei Schutz- und Diagnostikangeboten nicht konsequent geschlossen werden, drohen langfristig hohe Folgekosten durch schwerwiegende Lebererkrankungen, die durch rechtzeitige Tests und Behandlungen vermeidbar wären.
Wie beurteilen Sie die Vorsorgeangebote und Impfstrategien gegen infektiöse Krankheiten in Ihrem Umfeld? Teilen Sie Ihre Ansichten in den Kommentaren.























