Berlin steht nach einer Gewalttat am Rande des Christopher Street Day (CSD) unter Schock. Kurz vor dem Ende des friedlichen Straßenfests fuhr ein Auto nahe dem Berliner Tiergarten in eine Menschenmenge. Eine Frau kam dabei ums Leben, nach Angaben des Bundesinnenministeriums wurden zudem 29 Personen verletzt, mehrere von ihnen lebensgefährlich. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt stufte das Geschehen vor Ort als mutmaßlich islamistischen Terroranschlag ein. Bundesweit läuft eine intensiv geführte Großfahndung nach dem flüchtigen Tatverdächtigen.
- Eine Frau wurde getötet und 29 Menschen verletzt, als ein Auto am Rande des Berliner CSD in eine Menschenmenge fuhr.
- Bundesinnenminister Alexander Dobrindt stuft die Tat als mutmaßlich islamistischen Terroranschlag ein.
- Die Polizei sucht bundesweit nach dem 21-jährigen Abdul B., der Behörden wegen islamistischer Verbindungen bekannt ist.
Die Hauptstadt trauert nach dem Angriff auf das CSD-Fest
Der Christopher Street Day zählt zu den bedeutendsten Veranstaltungen der LGBTQ+-Community in Europa und zieht jährlich hunderte Tausende Menschen in die deutsche Hauptstadt. Umso tiefgreifender ist die Bestürzung in Berlin und der gesamten Bundesrepublik. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner sprach von einem Angriff auf die freie und weltoffene Gesellschaft der Stadt. Zahlreiche Vertreter aus Politik und Gesellschaft drückten ihre Trauer aus, darunter Bundeskanzler Friedrich Merz, der die Tat als abscheulich bezeichnete.
„Berlin ist die Stadt der Freiheit – und unsere Freiheit ist heute aufs Schrecklichste angegriffen worden“, erklärte Wegner am Ort des Geschehens.
Der Berliner Queerbeauftragte Alfonso Pantisano schilderte die tief sitzende Verunsicherung innerhalb der queeren Gemeinschaft. Am Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor kamen Menschen zu einer Gedenkveranstaltung zusammen, während die katholische Kirche Fürbitten ankündigte. Für die Sicherheitsbehörden bedeutet ein solcher Anschlag im öffentlichen Raum eine erneute Verschärfung der Debatte über die Absicherung von Großveranstaltungen und den Schutz von Minderheiten im städtischen Raum.
Spur der Gewalt am Rande des Tiergartens
Die Attacke ereignete sich am späten Samstagabend kurz vor 22:00 Uhr am südlichen Rand des Tiergartens, nur wenige hundert Meter von der Hauptbühne des CSD entfernt. Ein weißer Minivan der Marke Citroën mit Berliner Kennzeichen erfasste mehrere Passanten und prallte anschließend gegen einen Baum. Laut Ermittlungsbehörden verließ der Täter das stark beschädigte Fahrzeug und floh zu Fuß.
Zusätzlich zum Fahrzeugeinsatz soll der Angreifer Passanten mit einer Hiebwaffe – mutmaßlich einer Machete – attackiert und weitere schwere Verletzungen verursacht haben. Während erste Schätzungen von 16 Verletzten ausgingen, korrigierte das Innenministerium die Zahl der Verletzten später auf 29 hoch.
Tatverdächtiger war den Ermittlern bekannt
Die Polizei hat den mutmaßlichen Täter als den 21-jährigen Abdul B. identifiziert und eine Öffentlichkeitsfahndung eingeleitet. Der Tatverdächtige wurde 2005 in Deutschland geboren, besitzt die deutsche Staatsbürgerschaft und hat einen libanesischen Familienhintergrund. Nach Angaben der Behörden war er den Sicherheitsorganen bereits wegen Kontakten in die islamistische Szene bekannt.
Der Tatverdächtige war bereits in der Vergangenheit wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat zu einer zur Bewährung ausgesetzten Haftstrafe verurteilt worden.
Gegen die Aussetzung dieser Strafe von einem Jahr und 10 Monaten hatte die Generalbundesanwaltschaft Rechtsmittel eingelegt. Medienberichten zufolge soll B. im vergangenen Jahr versucht haben, in den Nahen Osten zu reisen, um sich der Terrormilieu-Organisation „Islamischer Staat“ (IS) anzuschließen. Die Ermittlungsbehörden haben die Sicherheitsmaßnahmen an Bahnhöfen, Flughäfen und Grenzübergängen bundesweit massiv verstärkt, um eine Flucht des Verdächtigen zu verhindern.























