Der demografische Wandel fordert Bildungssysteme weltweit heraus, doch in den USA führt der Rückgang junger Menschen zu einem harten Verdrängungswettbewerb im Bildungssektor. Zwischen 2010 und 2023 sank die Gesamtzahl der Eingeschriebenen an amerikanischen Hochschulen um knapp zwei Millionen. Zudem wird erwartet, dass die Zahl der 18-Jährigen – die Hauptzielgruppe für Studienanfänger – von diesem Jahr bis 2041 um weitere 13 Prozent schrumpfen wird. Um leere Hörsäle und drohende Finanzlöcher zu verhindern, kämpfen etablierte Universitäten und zweijährige Community Colleges nun mit immer aggressiveren Methoden gegeneinander um die verbleibenden Studierenden.
- Die Zahl der Studierenden an US-Hochschulen sank zwischen 2010 und 2023 um fast zwei Millionen.
- Vierjährige Universitäten verhindern zunehmend Vorstöße, die Community Colleges das Anbieten eigener Bachelor-Studiengänge erlauben würden.
- Der Markt für sogenannte Dual-Enrollment-Kurse wuchs rasant auf 2,8 Millionen High-School-Schüler an.
Verhärtete Fronten in ländlichen Regionen
In den USA übernehmen zweijährige Community Colleges traditionell die berufsbezogene Grundausbildung oder bereiten auf den Wechsel an eine vierjährige Universität vor. Angesichts schrumpfender Jahrgänge versuchen viele dieser Einrichtungen nun, eigene Bachelor-Studiengänge anzubieten. Dies soll vor allem Menschen im ländlichen Raum zugutekommen. Nach einer Studie des Annenberg-Instituts an der Brown University leben mehr als 35 Millionen Menschen in den USA außerhalb der üblichen Pendeldistanz zu einer staatlichen vierjährigen Universität.
Mehr als 35 Millionen Menschen in den USA leben außerhalb einer üblichen Pendeldistanz zu einer staatlichen vierjährigen Universität.
Gesetzgeber in 24 US-Bundesstaaten haben den Weg für Bachelor-Abschlüsse an Community Colleges bereits freigemacht. Doch der politische Widerstand der vierjährigen Universitäten wächst. In Illinois wird eine entsprechende Initiative von Gouverneur JB Pritzker unterstützt, stößt jedoch im Parlament auf Blockaden. Kimberly Lightford, Mehrheitsführerin im Senat von Illinois, stellte klar, dass die Universitäten um ihre Geschäftsgrundlage fürchten und keine Studierenden an das zweijährige Segment verlieren wollen. Ähnliche Pläne scheiterten in Iowa am intensiven Lobbying privater Hochschulen.
Der Streit um die frühzeitige Bindung von Jugendlichen
Neben dem Kampf um akademische Grade verlagert sich der Wettbewerb zunehmend auf High-School-Schüler. Über sogenannte Dual-Enrollment-Programme können Jugendliche bereits vor dem Schulabschluss Kurse für spätere Anrechnungen belegen. Dieser Markt wuchs rasant auf 2,8 Millionen Schüler an, die mittlerweile mehr als ein Fünftel aller Eingeschriebenen an Community Colleges ausmachen.
Die Zahl der 18-Jährigen in den USA soll bis 2041 um schätzungsweise 13 Prozent sinken, was den Konkurrenzkampf weiter anheizt.
Vierjährige Universitäten drängen nun verstärkt in dieses Segment, um Schüler möglichst früh an sich zu binden. Die Zahl der vierjährigen Hochschulen im Dachverband NACEP, der solche Programme akkreditiert, stieg zwischen 2022 und dem vergangenen Jahr um 27 Prozent beziehungsweise 36 Institutionen. Amy Williams, Geschäftsführerin von NACEP, erklärte, dass Universitäten diese Kurse primär als Rekrutierungsinstrument nutzen.
Für angehende Studierende bedeutet diese Entwicklung eine unübersichtlichere Bildungslandschaft. Wenn sich Hochschulen vorrangig aus wirtschaftlicher Notwendigkeit gegenseitig Kunden streitig machen, drohen pragmatische Bildungsangebote für die Bevölkerung auf der Strecke zu bleiben.
Wie bewerten Sie den zunehmenden Wettbewerb im Bildungssektor? Sollten praxisorientierte Colleges flexibler akademische Abschlüsse anbieten dürfen? Teilen Sie Ihre Meinung in den Kommentaren!























