Der englische Nationaltrainer Thomas Tuchel steht nach dem dramatischen Halbfinal-Aus seiner Mannschaft bei der Weltmeisterschaft im Fokus der Kritik. Nach einer späten 1:2-Niederlage gegen Argentinien, bei der Tuchels defensive Taktikwechsel heftig hinterfragt wurden, sicherten sich die „Three Lions“ am Samstag immerhin den dritten Platz durch einen spektakulären 6:4-Sieg gegen Frankreich. Sogar der US-Präsident Donald Trump schaltete sich mit Kritik an Tuchels Umgang mit Starstürmer Harry Kane in die Debatte ein. Tuchel verteidigte seine Entscheidungen unterdessen vehement und sprach von tiefen Narben, die das Turnier hinterlasse.
- England verlor das WM-Halbfinale trotz einer Führung durch Anthony Gordon am Ende noch mit 1:2 gegen Argentinien.
- Sogar US-Präsident Donald Trump kritisierte Thomas Tuchels Defensivtaktik und dessen Umgang mit Harry Kane öffentlich.
- Im Spiel um Platz drei besiegte England Frankreich mit 6:4, während Kylian Mbappé einen historischen WM-Torrekord aufstellte.
- Der englische Fußballverband FA stärkte Tuchel trotz der heftigen öffentlichen Diskussionen den Rücken.
Kritik von unerwarteter Seite: Trump attackiert Tuchels Taktik
Das Halbfinale gegen Argentinien schien für England zunächst nach Plan zu laufen. In der 55. Minute brachte Anthony Gordon die Mannschaft nach einer Flanke von Morgan Rogers in Führung. Doch statt den Vorsprung auszubauen, zog sich das Team von Thomas Tuchel unerwartet weit zurück. Mit den Einwechslungen der Verteidiger Ezri Konsa und Dan Burn stellte Tuchel auf eine Fünferkette um – ein defensiver Schachzug, der fehlschlug. Enzo Fernández glich in der 85. Minute aus, bevor Lautaro Martínez in der Nachspielzeit den 2:1-Siegtreffer für Argentinien erzielte.
„Sie haben ihren besten Spieler genommen und ihn in die Verteidigung gestellt“, kritisierte Donald Trump den taktischen Kniff von Thomas Tuchel im Halbfinale.
Der US-Präsident, der sich in New York an der Seite von FIFA-Präsident Gianni Infantino äußerte, bezog sich dabei auf Englands Stürmer Harry Kane, mit dem er nach eigenen Angaben gelegentlich Golf spielt. „Ich denke, sie haben vielleicht einen Fehler gemacht, als sie ihn zu einem defensiven Spieler machten“, fügte Trump hinzu, schob jedoch scherzhaft hinterher: „Was weiß ich schon von Fußball?“
Der Trainer übernimmt die Verantwortung für die „Narben“
Die defensive Ausrichtung stieß auch in England auf Unverständnis. Tuchels Vorgänger Gareth Southgate war oft für mangelnden Mut in entscheidenden Momenten kritisiert worden – Tuchel sollte eigentlich für den nächsten Schritt sorgen. Trotz der Kritik stellte sich der englische Fußballverband (FA) schützend vor den Deutschen. FA-Geschäftsführer Mark Bullingham betonte, wie schmerzhaft das knappe Ausscheiden sei, lobte jedoch den unermüdlichen Einsatz des gesamten Teams.
Tuchel selbst zeigte sich einsichtig, aber verteidigte seine Intuition: „Ich habe Entscheidungen getroffen, um dem Team zu helfen und das Ergebnis zu sichern. Das hat nicht geklappt, also übernehme ich natürlich die Verantwortung.“ Er gab zu, dass die Niederlage tiefe Spuren hinterlasse. „Das ist unser Schmerz, mein Schmerz und der Schmerz der Spieler. Es ist eine Narbe, die wir jetzt tragen müssen“, so der ehemalige Coach von Bayern München und Chelsea. Zudem gestand er ein, dass zu den absoluten Top-Nationen wie Argentinien, Spanien und Frankreich noch eine kleine Lücke klaffe.
Ein torreiches Trostpflaster im Spiel um Platz drei
Eine erste Reaktion zeigte die englische Auswahl im Spiel um Platz drei am Samstag in Miami. In einer völlig wilden Partie bezwang England die französische Nationalmannschaft mit 6:4. Für Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps war es das letzte Spiel im Amt, das von einem historischen Moment überlagert wurde: Frankreichs Superstar Kylian Mbappé erzielte zwei Treffer und kürte sich mit insgesamt 22 WM-Toren zum erfolgreichsten Torschützen der WM-Geschichte – vorbei an Lionel Messi.
Trotz des Sieges im kleinen Finale verdeutlichten die vier Gegentore gegen Frankreich die defensiven Baustellen, die Tuchel für die Zukunft lösen muss.
Für die englischen Fans bleibt ein gemischtes Gefühl zurück. Der spektakuläre Erfolg im Spiel um Platz drei zeigt das enorme Offensivpotenzial der Mannschaft, doch das Trauma des verpassten Finales wiegt schwer. Während Argentinien und Spanien am Sonntag im Finale um die Krone kämpfen, muss Tuchel die Lehren aus diesem Turnier ziehen, um England dauerhaft auf das Niveau der Weltspitze zu heben.
Was halten Sie von Thomas Tuchels Defensivtaktik im Halbfinale? Hat der englische Verband recht, ihm weiterhin das Vertrauen zu schenken? Diskutieren Sie mit uns in den Kommentaren!























