Ein rumänischer F-16-Kampfjet hat im Schwarzen Meer eine treibende, mit Sprengstoff präparierte Seedrohne unschädlich gemacht. Das unbemannte Wasserfahrzeug war zuvor nur wenige Hundert Meter von einer Offshore-Plattform des Erdgasprojekts „Neptun Deep“ entdeckt worden, rund 80 Seemeilen östlich der Hafenstadt Constanța. Um das Leben der mehreren Hundert Beschäftigten auf der Anlage zu schützen und die Infrastruktur zu sichern, ordnete die Führung in Bukarest nach Abstimmung mit Präsident Nicușor Dan den gezielten Abschuss an. Die Luftstreitkräfte zerstörten das Objekt schließlich mit ihrer Bordkanone.
- Ein rumänischer F-16-Kampfjet hat eine sprengstoffbeladene Seedrohne nahe der Gasplattform Neptun Deep zerstört.
- Kiew bestätigte offiziell, dass die Drohne nicht aus der Ukraine stammte; Bukarest macht Russland verantwortlich.
- EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ordnete den Vorfall als Teil hybrider Kriegsführung ein.
Entdeckung vor der Küste löst Sicherheitskette aus
Die Alarmkette begann am frühen Donnerstagmorgen gegen 6:28 Uhr Ortszeit, als die Besatzung eines Handelsschiffs die im Wasser treibende Drohne sichtete. Nach ersten Überprüfungen durch die rumänische Küstenwache stellte sich heraus, dass das Gefährt nur wenige Hundert Meter von den Offshore-Anlagen im Feld Neptun Deep entfernt trieb. Im Verteidigungsministerium in Bukarest wurde umgehend eine Befehlszelle eingerichtet, die zudem beantragte, dass die NATO auf der Ebene der rumänischen Streitkräfte das Kommando übernimmt.
Der Zwischenfall ereignete sich in einer ohnehin angespannten Lage an der NATO-Ostflanke. Bereits am selben Morgen war eine unidentifizierte Luftdrohne im Zuge russischer Angriffe auf ukrainische Donau-Häfen etwa 13 Kilometer weit in den rumänischen Luftraum eingedrungen und schließlich über unbewohntem Gebiet abgestürzt. Erst wenige Wochen zuvor, am 11. August, hatten Militärtaucher zwei abgetriebene Drohnen vom Typ Gerbera in der exklusiven Wirtschaftszone nahe dem Gasfeld unschädlich gemacht.
Gezielter Abschuss schützt die Offshore-Plattform
Aufgrund der unmittelbaren Gefahr für die Anlage entschieden die Behörden in Bukarest rasch. Zwei F-16-Kampfflugzeuge stiegen mit dem Befehl auf, das Ziel mit der Bordkanone zu zerstören.
Der Einsatz des Kampfjets war ein Rennen gegen die Zeit, um das Leben der Arbeiter auf der Plattform zu schützen und eine Katastrophe an der kritischen Infrastruktur abzuwenden.
Über einen neu eingerichteten direkten Kommunikationskanal mit ukrainischen Stellen holte die rumänische Seite eine Bestätigung ein: Die Ukraine teilte mit, dass die Marine-Drohne nicht aus ihren eigenen Beständen stammte. Rumäniens Präsident Nicușor Dan verurteilte den Vorfall scharf und machte Moskau verantwortlich. Die Intensivierung solcher unverantwortlichen Zwischenfälle durch die Russische Föderation sei inakzeptabel, erklärte das Staatsoberhaupt.
Sicherheitsrisiken für Europas künftige Gasversorgung
Auch die EU-Spitze reagierte umgehend. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach von einer eskalierenden Bedrohungskampagne und ordnete das Geschehen als hybride Kriegsführung ein, die darauf abziele, die Europäische Union zu spalten. Sie verwies auf europäische Verteidigungsinitiativen, um die Produktionskapazitäten für Drohnenabwehr an der Ostflanke rasch auszubauen.
Für Europa steht bei der Sicherung des Schwarzen Meeres auch die eigene Energieversorgung auf dem Spiel.
Das betroffene Projekt Neptun Deep im rumänischen Teil des Schwarzen Meeres gilt als Schlüsselbaustein für die europäische Energieunabhängigkeit. Das Vorhaben wird zu gleichen Teilen vom staatlichen Romgaz-Konzern und OMV Petrom – einer Tochtergesellschaft des österreichischen OMV-Konzerns – mit Investitionen von rund vier Milliarden Euro entwickelt. Das Gasfeld birgt geschätzte 100 Milliarden Kubikmeter Erdgas. Ab dem geplanten Förderstart im Jahr 2027 soll Neptun Deep jährlich etwa acht Milliarden Kubikmeter Gas liefern, die rumänische Eigenproduktion nahezu verdoppeln und Rumänien zum größten Erdgasproduzenten der EU machen.
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