Das Shedd Aquarium im US-amerikanischen Chicago gehört zu den bekanntesten Großaquarien Nordamerikas und widmet sich neben der Ausstellung von Meeresbewohnern auch der tierärztlichen Forschung sowie dem Artenschutz. Nun hat die Einrichtung vier weitere Belugawale namens Caspian, Peekachu, Rain und Secord aufgenommen. Die Tiere stammen aus dem Freizeitpark Marineland nahe den Niagara-Fällen in der kanadischen Provinz Ontario, der im Spätsommer 2024 dauerhaft geschlossen wurde. Es handelt sich um die zweite Gruppe nach einem ersten Transport im Juli, wie die Verantwortlichen bekannt gaben.
- Vier Belugawale trafen im Rahmen einer grenzüberschreitenden Rettungsaktion im Shedd Aquarium in Chicago ein.
- Der kanadische Erlebnispark Marineland schloss im Spätsommer 2024, nachdem er Anfang 2023 zum Verkauf gestellt worden war.
- Insgesamt werden 30 Wale und vier Delfine auf fünf Wassertierparks in den USA und Spanien verteilt.
Rettungsaktion verhindert wohl die Einschläferung der Tiere
Die Verlagerung der Belugas ist Teil einer umfassenden Rettungsmaßnahme für die letzten in Kanada in Gefangenschaft gehaltenen Wale. Nach Genehmigung durch die kanadische Regierung rettet die Umverteilung insgesamt 30 Wale und vier Delfine vor einer möglichen Masseneinschläferung. Der Park Marineland hatte bereits Anfang 2023 angekündigt, das Anwesen zu verkaufen. Seit 2019 starben dort nach behördlichen Angaben und offiziellen Mitteilungen mindestens 20 Wale – darunter 19 Belugas und ein Schwertwal.
Die Aufteilung der geretteten Meeressäuger erfolgt auf insgesamt fünf Einrichtungen: neben dem Shedd Aquarium in Chicago auch das Georgia Aquarium in Atlanta, SeaWorld-Standorte in San Antonio und San Diego sowie das Oceanogràfic im spanischen Valencia.
Spezialtransporte unter strenger medizinischer Überwachung
Der grenzüberschreitende Transport von Meeressäugern erfordert erhebliche logistische Vorbereitungen. Die Tiere reisten in maßgefertigten Tragegurten und temperaturregulierten Transportbehältern. Fachexperten reisten bereits Monate vor dem Umzug nach Kanada, um sich mit dem bisherigen Pflegepersonal abzustimmen und mehrjährige Krankengeschichten auszuwerten.
Charlie Jacobsma, Direktor für Tierverhalten und Training am Shedd Aquarium, hob die Besonderheit der Aktion hervor: „Dies ist eine sehr komplexe und präzedenzlose Rettungsaktion. So etwas hat es noch nie gegeben.“
Die Eingewöhnung in das neue Sozialgefüge läuft
Belugas gelten als äußerst gesellige Tiere, weshalb die schrittweise Zusammenführung mit den bereits in Chicago lebenden Artgenossen entscheidend ist. Die Neuankömmlinge nahmen zunächst durch Schiebegitter Kontakt auf, bevor sie denselben Schwimmbereich mit drei weiteren Belugas bezogen. Dort tauschen sie bereits Laute und soziale Annäherungszeichen aus.
Die leitende Tierärztin des Shedd Aquariums, Dr. Karisa Tang, erklärte, dass die Gewöhnung kontinuierlich beobachtet werde. Die medizinische Überwachung erfolgt rund um die Uhr, wobei Nahrungsaufnahme, Verhalten und körperliche Anzeichen wie Druckstellen genau kontrolliert werden. Belugas besitzen eine ausgeprägte Mimik und individuelle Persönlichkeiten, was die tägliche Arbeit mit den Tieren prägt.




























