Ein kurzes, präventives Beratungsgespräch kann die Bereitschaft von Waffenbesitzern deutlich erhöhen, ihre Schusswaffen in persönlichen Krisenzeiten vorübergehend außerhalb des eigenen Haushalts zu lagern. Zu diesem Ergebnis kommt eine wissenschaftliche Untersuchung unter der Leitung des New Jersey Gun Violence Research Center an der Rutgers University, die im Fachmagazin Suicide and Life-Threatening Behavior veröffentlicht wurde. Grundlage der Studie bildeten Daten von 232 Mitgliedern der Nationalgarde des US-Bundesstaates Mississippi, die privaten Zugriff auf Schusswaffen haben. Ein rund 15-minütiges Aufklärungsgespräch führte dazu, dass sich die Offenheit für eine externe Unterbringung der Waffen mehr als verdoppelte.
- Ein 15-minütiges Sicherheitsgespräch verdoppelte die Aufgeschlossenheit gegenüber einer externen Waffenlagerung.
- Bei zuvor völlig ablehnenden Teilnehmern zeigten nach dem Gespräch 56,5 Prozent Akzeptanz, verglichen mit 20,8 Prozent in der Kontrollgruppe.
- Die Nachwirkung nahm nach sechs Monaten ab, was die Notwendigkeit auffrischender Ansätze verdeutlicht.
Gezielte Präventionsgespräche verändern die Einstellung von Waffenbesitzern
Im Rahmen der Untersuchung bewerteten die Forscher das Programm „Project Safe Guard“, das entwickelt wurde, um sichere Aufbewahrungspraktiken von Schusswaffen zu fördern. Die Teilnehmer erhielten entweder eine etwa 15-minütige Beratung zu Themen der Waffensicherheit oder ein Vergleichsgespräch, das allgemeine Gesundheits- und Haushaltsthemen behandelte. Abgefragt wurde die Bereitschaft, Schusswaffen im Falle einer schweren emotionalen Krise einer Vertrauensperson außerhalb der eigenen Wohnung zu überlassen.
Direkt nach dem Präventionsgespräch zeigten 56,5 Prozent der zuvor strikt ablehnenden Personen eine Bereitschaft zur externen Lagerung, verglichen mit nur 20,8 Prozent in der Kontrollgruppe.
Auch nach drei Monaten blieb der Unterschied zwischen den Gruppen signifikant: Unter den anfänglichen Skeptikern zeigten in der Beratungsgruppe noch 68,4 Prozent eine gewissse Bereitschaft zur Auslagerung, während es in der Kontrollgruppe 36,4 Prozent waren. Nach sechs Monaten schwächte sich der Effekt jedoch ab und war statistisch nicht mehr signifikant.
Der Zugang zu Schusswaffen beeinflusst das Suizidrisiko in Krisen
Der direkte Zugriff auf Schusswaffen gilt insbesondere in Phasen akuter psychischer Belastung als erheblicher Risikofaktor. Die vorübergehende Verringerung der Verfügbarkeit stellt daher eine zentrale Maßnahme zur Schadensminimierung dar. In der Praxis scheitert dieser Ansatz jedoch häufig daran, dass viele Waffenbesitzer eine Auslagerung grundsätzlich ablehnen.
Das Konzept zur Reduzierung tödlicher Mittel („Lethal Means Safety“) basiert darauf, in Momenten hoher Belastung Hürden aufzubauen und Zeit zwischen den Impuls und die Handlung zu bringen. Für die Präventionsarbeit bedeutet dies, dass freiwillige und respektvoll geführte Gespräche Barrieren abbauen können. Studienleiter Michael Anestis betonte, dass ein verständnisvoller Dialog selbst bei Personen etwas bewirken könne, die eine Auslagerung zuvor kategorisch ausgeschlossen hatten.
Von der Bereitschaft zur praktischen Umsetzung stehen noch Hürden im Weg
Die Studienautoren verweisen allerdings darauf, dass in der Untersuchung lediglich die Bereitschaft zur Auslagerung gemessen wurde und nicht das tatsächliche Verhalten im Krisenfall. Zudem bezogen sich die Daten ausschließlich auf Angehörige der Nationalgarde in Mississippi, weshalb sich die Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf alle privaten Waffenbesitzer übertragen lassen.
Erschwerend kommt hinzu, dass rechtliche und praktische Hürden für die vorübergehende Aufbewahrung von Waffen je nach Region unterschiedlich ausfallen. Nach Ansicht der Forscher besteht der nächste Schritt darin, verlässliche und einfache Zugangsmöglichkeiten für die temporäre externe Waffenlagerung zu schaffen, damit die gewonnene Einstellungsänderung in Notsituationen auch tatsächlich in der Praxis genutzt werden kann.




























